Rasenthemen

seit 1999

Rasenthema: November 2026

Autor: Dr. Walter Bleeker, Saaten Zeller GmbH & Co KG


Landschaftsrasen und Kräuterrasen mit Regiosaatgut (RegioZert®)

 

Was ist Regiosaatgut?

Natürlich vorkommende Arten werden in FFH-Gebieten, Naturschutzgebieten oder geschützten Biotopen besammelt und das Saatgut wird nach landwirtschaftlicher Vermehrung in den Verkehr gebracht. Dabei ist entscheidend, dass Regiosaatgut nicht züchterisch bearbeitet ist. Die regionale Herkunft aus einem von 22 definierten Ursprungsgebieten ist das wichtigste Qualitätsmerkmal. Anwendungsgebiete sind in erster Linie die Wiederherstellung von Vegetation im regionalen Kontext und die Förderung der Biodiversität. Mischungen mit geeigneter Artenkombination können aber auch ingenieurbiologische oder gärtnerisch gestaltende Funktionen im urbanen Umfeld erfüllen. Regiosaatgut-Mischungen spielen eine zentrale Rolle bei der Umsetzung des § 40 Bundesnaturschutzgesetz.

Nach § 40 BNatSchG bedarf „das Ausbringen von Pflanzen in der freien Natur, deren Art in dem betreffenden Gebiet in freier Natur nicht oder seit mehr als 100 Jahren nicht mehr vorkommt, … der Genehmigung der zuständigen Behörde“. Umgekehrt formuliert darf Saat- und Pflanzgut von krautigen Arten und Gehölzen in der freien Natur nur noch innerhalb ihrer jeweiligen Vorkommensgebiete genehmigungsfrei ausgebracht werden. Im Hinblick auf eine praktische Umsetzung im Naturschutz und im Landschaftsbau wurde für weit verbreitete Arten eine Gebietskulisse von 22 Ursprungsgebieten entwickelt. Diese Gebietskulisse ist maßgeblich für das Inverkehrbringen von gebietsheimischem Saatgut im Rahmen der Erhaltungsmischungsverordnung und stellt einen Mindeststandard für das genehmigungsfreie Ausbringen weit verbreiteter Arten in der freien Natur Deutschlands dar (SKOWRONEK et al. 2023).

 

Anwendungsbereiche

In den klassischen Anwendungen des Landschaftsbaus hat sich Regiosaatgut  zum Standard entwickelt. Hier am Beispiel einer Flussdeich-Begrünung.
Abb. 1: In den klassischen Anwendungen des Landschaftsbaus hat sich Regiosaatgut zum Standard entwickelt. Hier am Beispiel einer Flussdeich-Begrünung. (Alle Fotos W. Bleeker)

Auch züchterisch veränderte Sorten einheimischer Arten werden zu den nicht gebietsheimischen Arten gestellt und die Ausbringung in der freien Natur bedarf einer Genehmigung. Das schränkt die Verwendung der Landschaftsrasenmischungen RSM 7 oder RSM 8 in der freien Landschaft stark ein. Die FLL hat darauf bereits 2014 reagiert und in den Empfehlungen für Begrünungen mit gebietseigenem Saatgut regionalisierte Regiosaatgut-Mischungen RSM Regio als Ersatz für die bisherigen Anwendungsbereiche der RSM 7 und RSM 8 in der freien Natur publiziert (FLL 2014). In Bezug auf die weitere Konkretisierung des Anwendungsrahmens des § 40 durch das Bundesamt für Naturschutz (SKOWRONEK et al. 2023) wurden von den Anbieterfirmen weitere Regiosaatgut-Mischungen, zum Beispiel für Deiche und PV-Anlagen, entwickelt. Da eine züchterische Bearbeitung der Einzelkomponenten nicht zulässig ist, werden die Zielfunktionen in erster Linie über höhere Artenzahlen (in der Regel etwa 10 Gräser und 20 – 30 Kräuter) und die Kombination von Arten mit geeigneten Eigenschaften (z. B. Arten mit unterschiedlichen Wurzelhorizonten) erreicht. Einer der Vorteile liegt in der im Vergleich mit klassischen Landschaftsrasenmischungen erheblich niedrigeren Ansaatstärke (drei bis sieben Gramm pro Quadratmeter)was auch den Kostenunterschied senkt. Inzwischen stehen für die wichtigsten Anwendungen des Landschaftsbaus in fast allen Ursprungsgebieten ausreichende Mengen zur Verfügung.

 

Beispiel Anlage Kräuterrasen

Aufgrund des gestiegenen Bedürfnisses, eine höhere Vielfalt an Strukturen und Arten zuzulassen, spielt Regiosaatgut auch bei der Gartengestaltung eine immer größere Rolle. In größeren Gärten oder Parkanlagen bietet sich eine Kombination aus intensiv genutztem Zierrasen und weniger intensiv genutztem Kräuterrasen mit heimischen Blühpflanzen an. Kräuterrasen aus Regiosaatgut zeichnen sich nach Etablierung durch eine hohe Artenvielfalt und Toleranz gegenüber unterschiedlichen Nutzungsintensitäten und Witterungseinflüssen aus. Sie können einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Biodiversität im besiedelten Raum leisten. Kräuterrasen aus zertifiziertem Regiosaatgut (RegioZert®) sind für viele Regionen Deutschlands verfügbar.

  • Saatvorbereitung
    Die Saatbettvorbereitung unterscheidet sich nicht von anderen Rasenmischungen. Da bei den enthaltenen Wildgräsern evtl. vorhandene Grannen die Fließfähigkeit der Saatgutmischung beeinflussen können, bietet es sich an, das Saatgut vor der Ausbringung mit einer Ansaathilfe aufzumischen (Maisspindelgranulat, Sojaschrot etc., zum Beispiel vier Gramm Saatgut und sechs Gramm Ansaathilfe). Anschließend wird das Saatgut oben auf das Saatbett aufgelegt und angewalzt.

  • Aussaat
    Die Ansaat kann im Frühjahr oder Spätsommer erfolgen. Auf sehr leichten Böden und/oder fehlender Bewässerungsmöglichkeit ist die Ansaat im Spätsommer zu bevorzugen. Im Etablierungsjahr sollte etwa alle sechs Wochen ein Schnitt auf etwa drei bis fünf Zentimeter Höhe mit Abräumen des Schnittguts erfolgen.

 

Bereits wenige Jahre nach Etablierung eines Kräuterrasens hat sich die Hahnenfuß-Scherenbiene als regelmäßiger Blütenbesucher eingefunden.
Abb. 2 u. 3: Bereits wenige Jahre nach Etablierung eines Kräuterrasens hat sich die Hahnenfuß-Scherenbiene als regelmäßiger Blütenbesucher eingefunden.
  • Dauerpflege
    Ab dem zweiten Jahr kann die Dauerpflege einsetzen. Nach einer Blühphase im Frühsommer erfolgt der erste Schnitt auf etwa drei Zentimeter Höhe. Im weiteren Jahresverlauf kann je nach Bedarf gepflegt werden. Spätestens im Herbst sollte ein weiterer Schnitt auf zwei Zentimeter Höhe (wie Gebrauchsrasen) erfolgen, damit die Flächen möglichst kurz geschnitten in den Winter gehen. Die Pflege kann in der Regel mit einem normalen Rasenmäher erfolgen. Durch das Einbringen von Zwiebelpflanzen (z.B. Crocus spec.) lässt sich ein weiterer sehr früher Blühaspekt erreichen.

 

Kräuterrasen nach Schnitt mit Rasenmäher. Nach einem ersten Blühaspekt im Frühsommer erfolgt der erste Schnitt. Im weiteren Verlauf können die Flächen je nach Bedarf gepflegt werden.  Im Herbst erfolgt ein Schnitt auf zwei Zentimeter Höhe.
Abb. 4: Kräuterrasen nach Schnitt mit Rasenmäher. Nach einem ersten Blühaspekt im Frühsommer erfolgt der erste Schnitt. Im weiteren Verlauf können die Flächen je nach Bedarf gepflegt werden. Im Herbst erfolgt ein Schnitt auf zwei Zentimeter Höhe.

Fazit

Kräuterrasen-Mischungen (z.B. RSM 2.4) in Kombination mit Regiosaat, bieten eine interessante Möglichkeit, die klassischen Gebrauchsrasenflächen im privaten Garten oder öffentlichen Grünflächen ökologisch aufzuwerten. Sie verbinden eine dauerhaft begrünte, überwiegend niedrigwüchsige Vegetationsdecke mit einem zusätzlichen Blüten- und Nahrungsangebot für Insekten und dienen damit der Förderung von Biodiversität im urbanen Raum, im Sinne von klimaresilienten Rasenflächen (MÜLLER-BECK, 2023).
Namhafte Unternehmen aus dem Saatgutbereich bieten fachlich geeignete Kräuterasen-Mischungen auf der Basis von 83 % Gräser-Anteil und 17 %
Kräuter- /Leguminosen-Anteil an.


Quellenhinweise:

 

Autor:
Dr. Walter Bleeker, Saaten Zeller GmbH & Co KG
E-Mail: bleeker@saaten-zeller.de

Download:

Zurück zur Newsübersicht

You are using an outdated browser. The website may not be displayed correctly.