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Aktuelle Meldungen der Deutschen Rasengesellschaft e.V.

Brauner Rasen durch Hitze und Trockenheit, was ist zu tun?

Autor: Dr. Klaus Müller-Beck, Ehrenmitglied Deutsche Rasengesellschaft e.V.

 

Beregnung oder geduldig warten

Das Wasserdefizit in der Natur wird in diesen Tagen erneut sehr deutlich und über die Folgen sowie die notwendigen Maßnahmen wird öffentlich diskutiert. Die Pflanzen leiden erheblich unter Wassermangel, wenn längere Trockenperioden vorherrschen. Dies gilt besonders für landwirtschaftlich und gärtnerisch genutzte Kulturen, aber auch für die Bäume im Wald und in der Stadt, sowie für krautige Pflanzen und für die Gräser der zahlreichen Rasenflächen im Öffentlichen Grün, den Hausrasenflächen und für zahlreiche Golf und Sportanlagen.

Gerade bei den Sporteinrichtungen kommt es darauf an, dass die Funktionalität weitgehend erhalten bleibt. Deshalb erscheint eine angemessene Bewässerung (z.B. Defizit-Bewässerung) notwendig und sinnvoll.
Durch die langanhaltende Trockenheit der letzten Wochen kommt es mittlerweile zu drastischen Einschränkungen bzw. zu Verboten bei der Verwendung von Wasser für die Rasenberegnung. Die Folge sind überwiegend braune Rasenflächen.

 

Rasensportplatz mit unzureichender Beregnung.
Abb. 1: Rasensportplatz mit unzureichender Beregnung. (Foto: K.G. Müller-Beck)
Haus-Rasenfläche im Münsterland ohne Beregnung. Staudenbepflanzung mit Bewässerung.
Abb. 2: Haus-Rasenfläche im Münsterland ohne Beregnung. Staudenbepflanzung mit Bewässerung. (Foto: K.G. Müller-Beck)

Auswirkung von Trockenstress auf die Pflanzen

In einer Forschungsarbeit an der Hochschule Osnabrück wurden die Auswirkung von Trockenstress und das anschließende Regenerationsvermögen verschiedener Gräserarten und Mischungen untersucht. In der Masterarbeit berichtet NITZSCHKE (2020) über folgende Zusammenhänge: „Als Trockenstress bezeichnet man den Zustand von Pflanzen, wenn ihnen zu wenig Wasser in geeignetem thermodynamischem Zustand zur Verfügung steht.  Eine Trockenheitsbelastung als Stressereignis entwickelt sich im Gegensatz zu vielen anderen Stressereignissen in der Regel langsam und verstärkt sich mit der Dauer der Trockenheit (LARCHER, 2001). Wenn Pflanzen Wasser über die Zellwände abgeben, fließt Wasser aus dem Interzellularraum nach und die Zelle beginnt zu welken, das Zellvolumen sinkt. Welken bedeutet, dass die Zellen sich zusammenziehen, schrumpfen und sich verformen. Je mehr das Protoplasma dadurch irreversibel geschädigt wird, desto empfindlicher reagiert die Pflanze auf Wassermangel.
Auf den Rückgang des Turgors reagiert die Pflanze mit der Produktion von Phytohormonen, die als Signalstoffe für Trockenstress unterschiedliche Schutzmaßnahmen einleiten. Über die Kontrolle der Spaltöffnungen kann die Pflanze einem Wassermangel zunächst entgegenwirken. Hierbei entfällt der Kühlungseffekt, der durch die Verdunstung an den Blättern entsteht. Als Folge der geschlossenen Stomata wird der Gaswechsel eingeschränkt, da kein Kohlendioxid mehr über die Spaltöffnungen aufgenommen werden kann, sinkt die Konzentration im Blattinneren. Wachstumsprozesse, insbesondere das Streckungswachstum, kommen zum Erliegen. Die Assimilat Verteilung und das Verhältnis von Wurzel zu Spross kann sich aber zu Gunsten des Wurzelwachstums verändern. Die Pflanze reagiert mit der Ausdehnung ihrer Wurzeln in tiefere Bodenschichten, um die Wasseraufnahme zu verbessern (LARCHER, 2001).

 

Festwiese nach einem viertägigen Event im August 2026.
Abb. 3: Festwiese nach einem viertägigen Event im August 2026. (Foto: K.G. Müller-Beck)

Zur Regeneration benötigt der Rasen Hilfe

Die Erholung der braunen Rasenflächen dürfte auch nach einem angemessenen Niederschlag einige Zeit in Anspruch nehmen. Durch die Kombination der langanhaltenden Trockenperiode mit extremen Temperaturen sind die nicht beregneten Rasenflächen in verschiedenen Fällen sicherlich geschädigt worden. Üblicherweise schützen sich die Gräser bei Trockenheit durch eine gewisse Dormanz, wobei der Stoffwechsel stark reduziert wird und sich die Gräser zunächst fahl grün und später braun verfärben. Bei längeren Hitzeperioden kommt es dann aber bei den Kaltzonen-Gräsern auch zu Absterbeerscheinungen. Davon sind insbesondere die Grasarten Jährige Rispe (Poa annua), Lägerrispe (Poa supina) und das Deutsche Weidelgras (Lolium perenne) betroffen. Der Rotschwingel (Festuca rubra) sowie der Raublättrige Schafschwingel (Festuca trachyphylla) behalten für einen langen Zeitraum eine bestimmte Vitalität. Die Grasarten Wiesenrispe (Poa pratensis) mit ihren unterirdischen Ausläufern, aber auch der Rohr-Schwingel (Festuca arundinacea) mit einem tiefen Wurzelwerk, können eine derartige Trockenperiode am längsten überdauern. Je nach Gräserbestand ist somit mit einem unterschiedlichen Schädigungsgrad zu rechnen.
Auch wenn einige Altgräser wieder neu austreiben, benötigt man für eine komplette Rasenbildung einige Wochen. Aus diesem Grunde empfiehlt es sich, nach den ersten Niederschlägen, bei denen der gesamte Wurzelraum durchfeuchtet wird, eine Regenerationsmaßnahme mit einer geeigneten Nachsaat vorzunehmen. Auf diese Weise lässt die Wiederherstellung des Rasens beschleunigen.

 

Anpassungsstrategien der Rasengräser

In der Masterarbeit berichtet NITZSCHKE (2020) über Anpassungsstrategien von Rasengräsern. Danach fällt der Wasserverlust durch Evaporation bei dichten Rasenflächen geringer aus, als bei dünnen, lückenhaften Rasenflächen (HUANG et al. 2014). Das Wachstum der Triebe beeinflusst somit den Wasserverlust einerseits durch die Transpiration der Blätter und andererseits durch die Verdunstung des Bodens. Die Evaporation an der Bodenoberfläche bildet zusammen mit der Transpiration der Gräser in Summe die Evapotranspiration. Gräser mit eher aufrechtem Wuchs haben tendenziell höhere Wasserverbrauchsraten. Pflanzen mit langsam wachsenden Trieben können daher längere Dürreperioden überleben.

 

Tipp zur Beurteilung der verbliebenen Regenerationskraft

Wer den Grad der Wiederergrünung vorab beurteilen will sollte aus der braunen Rasenfläche einige Mini-Proben an verschiedenen Stellen entnehmen. Dazu schneidet man mit einem geeigneten Messer kleine Rasendreiecke, fünf bis acht Zentimeter tief, aus dem Boden. Diese Proben pflanzt man mit Blumenerde in einem Topf ein und hält sie regelmäßig feucht. Sofern eine ausreichende Vitalkraft vorhanden ist, werden nach ca. einer Woche die ersten grünen Spitzen erscheinen.

 

Mini-Proben zur Prüfung der Revitalisierung eines braunen Rasens nach Hitze und Trockenheit. Links Rasenprobe bis 7 cm Tiefe, rechts eingepflanzte Proben.
Abb. 4: Mini-Proben zur Prüfung der Revitalisierung eines braunen Rasens nach Hitze und Trockenheit. Links Rasenprobe bis 7 cm Tiefe, rechts eingepflanzte Proben. (Foto: K.G. Müller-Beck)

Empfehlungen für die Praxis

Zur Vorbereitung auf eine anstehende Rasen-Regeneration bietet die Deutsche Rasengesellschaft praktische Anleitungen zum Download.

Quellenhinweise:

  • HUANG, B., M. DACOSTA and Y. JIANG, 2014: Research Advances in Mechanisms of Turfgrass Tolerance to Abiotic Stresses: From Physiology to Molecular Biology. In: Critical Reviews in Plant Sciences 33 (2-3), S. 141–189.
  • LARCHER, W.,2001: Ökophysiologie der Pflanzen. Leben, Leistung und Stressbewältigung der Pflanzen in ihrer Umwelt; 77 Tabellen, 8 Boxen: Ulmer Verl.
  • NITZSCHKE, S., 2020: Ausprägung von Trockenstress an Gebrauchsrasenmischungen und Einzelsorten sowie Abschätzung der Regenerationspotentiale. Masterarbeit Hochschule Osnabrück, FAKULTÄT AGRARWISSENSCHAFTEN UND LANDSCHAFTSARCHITEKTUR, Management im Landschaftsbau (unveröffentlicht).

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