Autor: © Dr. Gabriela Schnotz, JULIWA-HESA GmbH, Heidelberg
Der Wunsch nach einem „Englischen Rasen“ wird immer wieder von Verbrauchern geäußert – damit wird eine teppichartige dichte Grasnarbe in sattem Grünton verbunden. Meist wird dann akribisch darauf geachtet, dass keine „Unkräuter“ einwandern. Doch der Preis dafür ist ein sehr hoher Pflegeaufwand:
Im Kontrast zu Blumenbeeten oder Pflanzungen kommt die Schönheit einer derartig gepflegten Rasenfläche besonders gut zur Geltung.
Häufig besteht aber auch der Wunsch nach „blühenden Wiesen“, wie man sie zum Beispiel im Urlaub erlebt hat. Leider lassen sich die sogenannten Blumenwiesen nur schwer etablieren und der optische Aspekt variiert oft sehr stark, da die Entwicklung vom Standort abhängt und es auch mehrere Jahre dauert, bis sich genügend Arten durchgesetzt haben.
Der oft übersehene Nachteil dieser meist nur zweimal pro Jahr gemähten Wiesen ist der erhebliche Aufwuchs, der nur noch mit Motorsense oder Mähbalken geschnitten werden kann.

Abb.1: Hausgartenfläche – Blumenwiese oder Kräuterrasen?
(Fotos: Dr. Gabriela Schnotz)
Je nach Häufigkeit des Schnittes haben diese Flächen entweder einen Rasen- oder eher einen Wiesencharakter.
Derartige Rasenflächen können entstehen, wenn nicht mehr gedüngt und seltener gemäht wird. Es werden sich die Kräuter entwickeln, deren Saatgutvorrat sich im Boden befindet oder von außen eingetragen werden kann. Dazu können natürlich auch Arten wie Disteln oder Löwenzahn, die eigentlich weniger erwünscht sind, gehören.
Eine Alternative ist die Neuanlage mit speziellen Gras-Kräutermischungen.
In der Regelsaatgutmischung (RSM), jährlich herausgegeben von der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL) wurde Anfang der 90er Jahre im Bereich Gebrauchsrasen eine Mischung „Gebrauchsrasen Kräuterrasen“ aufgenommen.
Diese Mischung, RSM Typ 2.4, setzte sich aus langsam und wenig aggressiv wachsenden Gräserarten sowie 3,5% Kräutern zusammen, die die notwendigen ca. 4-6 Schnitte pro Jahr vertragen. Dadurch entsteht ein niedrigbleibender bunter Rasen, der besonders im Frühjahr einen ansprechenden Aspekt bildet.
![]() Abb.2: Kleine Braunelle – Prunella vulgaris |
![]() Abb.3: Gänseblümchen – Bellis perennis |
Gut trittverträgliche Kräuter:
Ebenfalls zum Trittrasen gerechnet werden:
Wenig belastbar:
Seit 2005 ist der Kräuteranteil in dieser Mischung RSM 2.4 d eutlich angehoben worden, nämlich auf 17%. Auch das Artenspektrum wurde erweitert (z.B. Wiesen-Flockenblume, Salbei), die Blühpflanzen decken in unterschiedlichen Farben nahezu die gesamte Vegetationszeit ab.
Wie in jeder Pflanzengesellschaft wird der Bestand immer durch Nutzung und Pflege (Tritt, Schnittzeitpunkte) beeinflusst. Bei häufigem Betreten werden mittelfristig nur einige Kräuter überleben, die auch dann noch zur Blüte kommen, wenn häufiger gemäht wird (z.B. Gänseblümchen, Wegerich).
Je seltener gemäht und betreten wird, desto größer die Artenvielfalt. So können aus der gleichen Saatgutmischung unterschiedlichste Kräuterrasenflächen entstehen. Einsatz finden diese Mischungen im extensiven öffentlichen Grün, aber auch im Hausgarten oder in Teilbereichen von Golfplätzen.
Generell sind die Kräuterrasen aber eher für trockene Standorte geeignet, auch sollten die Flächen nicht im starken Schatten liegen.
![]() Abb.4: Semi-Rough und Rough-Fläche Niedriger Bestand mit schönem Blühaspekt |
![]() Abb.5: Öffentliche Parkfläche im Frühjahr |
Die Aussaat kann während der gesamten Vegetationsperiode erfolgen, wie bei allen Neuansaaten sollten jedoch trockene und heiße Perioden vermieden werden. Neben dem zeitigen Frühjahr bietet sich auch hier eine Herbstaussaat (September) an, da der Boden noch ausreichend warm ist, Nachtfeuchtigkeit und sinkende Tagestemperaturen zudem die Pflege während der Keimphase vereinfachen. Da der Unkrautdruck auf den meisten Standorten im Herbst deutlich geringer ist als im Frühjahr, lassen sich die erwünschten Kräuter besser etablieren. Daher bietet sich der Monat September für die Ansaat an.
Die Vorgehensweise bei der Anlage einer Kräuterrasenfläche ist vergleichbar mit einer „klassischen“ Rasenansaat. Bodenlockerung, Absammeln grober Pflanzenreste und Steine, Ausgleich von Unebenheiten und Erstellung eines feinkrümeligen Saatbeetes sind Grundvoraussetzung.
Anders als bei einer reinen Gräseransaat für einen Rasen ist es jedoch wichtig, dass der Boden eher mager ist, d.h. geringe Nährstoffgehalte aufweist (evtl. durch eine Bodenprobe klären). Da die Kräuter wenig konkurrenzkräftig sind, würden sie bei guter Nährstoffversorgung von den Gräsern schnell überwachsen und zurückgedrängt.
Bei humosen oder bindigeren Böden ist daher ein Abmagern durch Zugabe von Sand vorteilhaft, auch sollte keine Düngung erfolgen.
Nach der Aussaat müssen die Flächen ca. zwei Wochen feucht gehalten werden, ein Reinigungsschnitt vor dem Winter wirkt sich sehr positiv auf den Bestand aus.
Kräuterrasen stellen eine sinnvolle und optisch ansprechende Variante im Bereich Rasen dar. Die Flächen werden den Liebhabern von Farben und Blüten genauso gerecht wie denjenigen, die eine extensive Bewirtschaftung mit gelegentlichem Mähen bevorzugen.
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