Autor: © Dr. agr. Harald Nonn, Rasenforschung EUROGREEN
Nach Vorstellung der Versuchsanlage und der Ergebnisse zu Aufwuchshöhe, Schnittgutanfall und Narbendichte in den Beiträgen 02/2008, 07/2008 und 11/2008 folgen nun die Ergebnisse über die Entwicklung der botanischen Zusammensetzung (Arteninventar) der Rasenmischungen. Die detaillierten Ergebnisse sind in der Zeitschrift „Rasen-Turf-Gazon“ veröffentlicht (Nonn et al., 2006).
Rasenflächen enthalten in aller Regel verschiedene Gräserarten und -sorten. Sie definieren durch ihre unterschiedlichen Eigenschaften das optische Erscheinungsbild und die Leistungsfähigkeit einer Rasenfläche. Bei der Zusammensetzung von Rasenmischungen müssen die Hersteller in Kenntnis dieser Eigenschaften die Mischungspartner so auswählen, dass der Rasen später den an ihn gestellten Anforderungen ganzjährig gerecht wird. Ob eine Rasenmischung die geforderte Leistung erfüllt, zeigt sich erst in den Folgejahren.

Abbildung:
Auch am Saatgut l ässt sich ein Unterschied erkennen: Die Samen (Spelzfrüchte)
von Berliner Tiergarten sind erkennbar größer als die der hochwertigen Strapazierrasenmischung.
(Foto: Dr. H. Nonn)
Mit der Bonitur des Arteninventars (Pflanzenbestand) im August 2004 und Juni 2006 konnte die Entwicklung der Ansaatmischungen über 3 Jahre beurteilt werden. Die Ergebnisse geben die prozentualen Anteile der einzelnen Pflanzenarten wieder.
Ab Frühjahr 2004 wanderten in die Mischungen Berliner Tiergarten zunehmend Fremdarten ein. Vor allem die Mischung BT 2 konnte sich nur sehr schwer gegen die Invasion von Poa annua behaupten. Im Schattenrasen war die Lägerrispe (Poa supina) bereits innerhalb eines Jahres nach Ansaat zum Bestandsbildner geworden.
Eine erneute Bonitur im Juni 2006 belegte, dass in den Mischungen Sport-, Spiel- und Strapazierrasen die angesäten Arten durchweg hohe Anteile mit der Tendenz zur Festuca rubra-Dominanz erzielten. Die Anteile an Poa pratensis waren bis auf den Sportrasen deutlich niedriger als die Anteile an Lolium perenne. Der Besatz mit Poa annua und Kräutern war gering. Gleiches galt für den Schattenrasen, wobei hier die gewünschte absolute Vorherrschaft von Poa supina eingetreten war. In der Mischung Berliner Tiergarten 1 erzielte Lolium perenne die höchsten Anteile. Außerdem etablierten sich als unerwünschte Fremdgräser Poa annua (4 %) und Poa supina (6 %). Die Ausbreitung von Poa supina in die anderen Versuchsmischungen ist auf das Verschleppen von Samen während ihrer Blütezeit im Mai zurückzuführen. Den höchsten Besatz mit Fremdarten wies Berliner Tiergarten 2 auf. Nur noch knapp 55 % Deckungsanteil nahmen die eingesäten Arten ein, der Anteil an Lolium hybridum war mit 5 % erwartungsgemäß niedrig. Dagegen betrug der Besatz an Poa annua 11 %, Poa supina 6 % und Poa trivialis (Gemeiner Rispe) 26 %.

Grafik:
Arteninventar (botanische Zusammensetzung) im Juni 2006
Interessant zu beobachten war die rasante Entwicklung des Anteils an Lägerrispe (Poa supina)
im Schattenrasen in 2004. In dieser Mischung ist sie innerhalb eines Jahres, obwohl nur mit 5% Mischungsanteil
bei der Ansaat enthalten, zum Bestandsbildner geworden. Dieses Ergebnis bestätigt die von Berner
(1984) und Pietsch (1989) beschriebene Konkurrenzkraft und das Durchsetzungsvermögen dieser
Grasart. Wegen der guten Schattenverträglichkeit von Poa supina ist diese Bestandsentwicklung
auch so gewünscht. Absolut dominant mit etwas über 80 % Deckungsanteil ist sie dann bis
zum Juni 2006 geworden.
Die Artenanteile in den 3 übrigen Mischungen mit Rasenzuchtsorten entsprachen im Wesentlichen
den Mischungsanteilen bei der Ansaat und den bisherigen Erfahrungen in der Bestandsentwicklung von
Rasenansaaten. Bei guter Pflege und ausreichender Nährstoffversorgung bleiben die Rasengräser
erhalten. Sicherlich ein Resultat der hohen Narbendichte und des guten Regenerationsvermögens.
Anders verhält sich das Erscheinungsbild der Mischungen Berliner Tiergarten. In Berliner Tiergarten 1 bestehen nur noch 75 % des Pflanzenbestandes aus den ursprünglich eingesäten Arten. Die für Rasen minderwertigen Sorten haben dem ständigen Schnitt nicht widerstehen können. Die restlichen 25 % der Grasnarbe bestehen aus zugewanderten, zum größten Teil unerwünschten Arten. Noch eklatanter ist die Invasion von Fremdarten in Berliner Tiergarten 2.
Über 40 % des Arteninventars bestehen nach 3 Jahren aus eingewanderten Arten wie Poa trivialis und Poa annua. Das Erscheinungsbild der lückigen Narbe ist sehr heterogen und entspricht keinesfalls dem eines guten Gebrauchsrasens.

Auch bei der botanischen Zusammensetzung der Rasennarbe zeichnen sich die Mischungen
mit speziellen Rasenzuchtsorten gegenüber den beiden Mischungen Berliner Tiergarten durch deutlich
bessere Rasenqualität aus. Sie bestehen auch nach 3-jähriger Versuchsdauer aus den ursprünglich
eingesäten Gräserarten und werden nur in sehr geringem Umfang von Fremdarten unterwandert.
Innerhalb der speziellen Rasenmischungen besitzt der Schattenrasen mit Poa supina die höchste
Narbendichte und das einheitlichste Erscheinungsbild.

Abbildung:
Narbendichte und Blatttextur zeigen deutliche Unterschiede in Abhängigkeit von der gewählten Mischung.
Links Strapazierrasen mit hochwertigen Zuchtsorten, rechts Berliner Tiergarten. (Foto: Dr. H. Nonn)
Berner, P., 1984:
Entwicklung der Lägerrispe (Poa supina Schrad.) zum Rasengras. Rasen-Turf-Gazon 15, 3-6.
Nonn, H., R. Lock u. W. Kühbauch, 2006:
Qualitätseigenschaften verschiedener Gebrauchsrasenmischungen. Teil 2: Narbendichte, Regenerationsvermögen
und Arteninventar. Rasen-Turf-Gazon 37, 169-176.
Pietsch, R., 1989:
Poa supina (Schrad.) und seine Bedeutung für Sport- und Gebrauchsrasen. Z. Vegetationstechnik
12, 21-24
« zurück
Artikelarchiv:
Unsere Artikelsammlung wird seit 1999/2000 monatlich mit einem neuen Beitrag zum Thema Rasen
versehen.
Artikelarchiv öffnen