Autoren: © Dr. K. Müller-Beck, Vorsitzender Deutsche Rasengesellschaft DRG
Nach der Etablierung der Bundesliga Stadion-Greenkeeper in der Deutschen Rasengesell-schaft trafen
sich die verantwortlichen Kolle-gen der Stadien am 19.11.2007 in Leipzig zu einem Workshop zum Thema „Einsatz
von Fertigrasen“.
Von Hamburg bis München bzw. von Mön-chengladbach bis Cottbus waren aus allen Regionen
der 1. und 2. Bundesliga die Stadion-Greenkeeper angereist. Zur Klärung der Qualitätsansprüche
und zur Beschreibung der Eigenschaften von unterschiedlichen Rasensoden waren die namhaften Fertigrasenproduzenten
als Gastredner und Diskussions-teilnehmer eingeladen.

Foto: K. Müller-Beck
Die Lebensdauer der Rasenflächen in den neuen Stadion-Arenen ist aufgrund der standörtlichen Bedingung deutlich eingeschränkt. Verschiedene Pflegekonzepte können zwar die Lebenserwartung des Rasens verlängern, aber nach einer bestimmten Zeitperiode verschlechtert sich der Rasenzustand, so dass immer häufiger ein Tausch des Rasens mit einem Fertigrasen auch während der Spielsaison vorgenommen wird. In diesem Zusammenhang sind dann gute Vorbereitungen auf der Fläche zu treffen und die logistische Abwicklung der Aktion hat größte Priorität.
Damit die Qualitätsanforderungen seitens der verantwortlichen Greenkeeper auch auf fruchtbaren Boden bei den Produzenten stoßen, hatte man die führenden Anbieter für den Stadion-Fertigrasen nach Leipzig eingeladen, so waren beide WM-Rasen Lieferanten, nämlich die Firma Büchner und die Firma Hendriks neben der Firma Schwab und Firma Richter vertreten. Krankheitsbedingt musste die Firma Peiffer kurzfristig absagen.

Ein seltenes Bild, die Produzenten von Stadion-Fertigrasen vereint
beim Workshop der Bundesliga Greenkeeper in Leipzig am 19.11.2007.
(v.l. A. Richter, Th. Büchner, H. Schwab, J. Hendriks).
Foto: K. Müller-Beck
Mit einigen Referaten wurde die Thematik für alle Teilnehmer erläutert und die wichtigsten
Kriterien zur Beurteilung herausgestellt. So verwies der Sachverständige, Dr. H. Nonn,
auf die zu erwartenden Änderungen bei der überarbeiteten Norm DIN 18 035,Teil 4. Hier
sind zukünftig neben den Arten Lolium perenne und Poa Pratensis auch Anteile von Festuca rubra
bzw. Festuca arundinacea , Deschampsia cespitosa oder Poa supina möglich.
Eine ausführliche Diskussion entwickelte sich zum Stichwort der Schäldicke von Rasensoden.
Für die direkte Verwendung im Stadion hat sich mittlerweile die sog. Dicksode durchgesetzt,
wobei Schälstärken von 30 bis 38 mm üblich sind. Unterschiedliche Auffassungen gab
es bei der Messung der Stärken, wobei die Frage von Rasenfilz oder Komprimierung der Rasensode
eine Rolle spielten. Frau Dr. G. Schnotz differenzierte deshalb bei ihren Ausführungen zwischen
den Begriffen „Schäldicke“ und „Sodenstärke“.

Professionelle Arbeitsbedingungen beim Greenkeeper-Workshop
in den Presseräumen des Zentralstadions in
Foto: K. Müller-Beck Leipzig.
Auch über das Alter bzw. den „Reifegrad“ einer Sode wurde intensiv gesprochen; denn gerade bei der Dicksode kommt es darauf an, dass aus dem Wurzelsubstrat möglichst wenig Teile ausrieseln, da sonst die Ebenflächigkeit nach dem Verlegen nicht mehr gewährleistet ist.
Da der Austausch von Rasensoden gerade in den kritischen Stadien in der Regel zu ungünstigen
Terminen und unter Zeitdruck verläuft sehen die Greenkeeper eine Reihe von Bewertungskriterien
und Leistungsanforderungen, die eine Sode beim Verlegen erfüllen sollte.
Im Rahmen des Workshops wurde von allen Beteiligten ein Kommentar zur Qualitätserwartung abgegeben.
Die wichtigsten Punkte wurde in einer Liste zusammengefasst, so dass sie noch einmal gewertet und
nach ihrer Bedeutung eingeordnet werden können.
So stand im Ranking ganz oben die Forderung nach der direkten Bespielbarkeit in Verbindung mit einer
ersten Besandung auf der Schälfläche. Wichtige Daten wie Grundnährstoffversorgung
oder die Körnungszusammensetzung des Anzuchtbodens sollten für die „Grow-In-Phase“ vom Produzenten
mitgeliefert werden.
Im Dialog mit den Stadion-Greenkeepern sollten auch die Hersteller von Fertigrasen ihre Wünsche
und Vorstellungen an den Einbauort formulieren.
Ein besonderes Anliegen sind die fachgerechten Vorarbeiten auf der Rasentragschicht bzw. die Erstellung
eines geeigneten Planums. Dabei wird die Funktionalität einer Beregnungsanlage sowie einer
angemessenen Drainage erwartet.
Ein Feedback seitens der Greenkeeper bezüglich der Anwuchsphase kann für den Produzenten
nützliche Hinweise geben.
Die Erkenntnisse aus diesem Arbeitstreffen dienten als Grundlage für die Erstellung bestimmter Spezifikationen bei der zukünftigen Auswahl und Bestellung von Fertigrasenflächen für einen termingerechten Austausch von Stadionrasen. Bei der Forderung nach bestimmten Leistungskriterien wurde auch deutlich, dass Mehraufwendungen bei der Produktion, sei es durch Pflegemaßnahmen wie Vertikutieren und Besanden oder die Erreichung eines „Reifegrades“ nach 14 Monaten in die Preisgestaltung einfließen müssen.
Eine Rasennarbe ist eine dynamische, biologische Vegetationsdecke, die in ihrer Artenzusammensetzung
Veränderungen durch Standorteinflüsse unterliegt. So kann sich währen
der Anzucht der Rasen bei optimalen Licht-, Wasser- und Nährstoffverhältnissen entwickeln.
Sobald die Soden in einer „Stadion-Arena“ verlegt worden sind, ändern sich die
Bedingungen gravierend.
Aus der Diskussion wurde klar, dass die Verhältnisse z.B. bezüglich Lichtbedingungen oder
Windbewegungen in den jeweiligen Stadien sehr unterschiedlich einzustufen sind. Hier fehlt es bisher
an einer Erfassung der charakteristischen Parameter für die jeweiligen Standorte.
So lassen sich beispielsweise die Stadion-Bedingungen in München und Freiburg kaum vergleichen, dagegen in München und Hamburg sehr wohl.
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