Autoren: © Dr. Heinz Schulz, Rasen-Fachstelle Hohenheim
Häufig müssen Rasenflächen nachgesät werden, weil die Rasennarbe nicht mehr den Anforderungen der Nutzer entspricht. Besonders durch die Trockenheit in diesem Sommer haben viele Grünanlagen stark gelitten. Sie sind entweder ausgedünnt und die Narbe ist locker, weil trockenheitsempfindliche Gräser ausgefallen sind, oder es sind sogar größere Fehlstellen entstanden. Am liebsten möchte man natürlich derartige Schäden gleich beheben.

Trockenstellen durch unregelmäßige Wasserverteilung bei Beregnung (Foto: Heinz Schulz)

Trockenstellen auf dem unberegnetem Golf-Fairway durch Ausfall anf älliger
Arten wie Poa annua (Foto: K.G. Müller-Beck)
Doch Vorsicht ist geboten. Nachsaaten bei hohen Temperaturen und ausgetrocknetem Boden im Sommer
sind meistens erfolglos. Eine Ausbesserung durch Verlegen von Rasensoden ist möglich,
das Anwachsen in Trockenzeiten ist jedoch unwahrscheinlich und ein „Flickenteppich“ sieht
auch nicht gerade schön aus.
Deshalb ist es jetzt an der Zeit zu überlegen, welche Möglichkeiten der Verbesserung geschädigter
Rasennarben sinnvoll sind. Als kostengünstige und erfolgversprechende Variante bietet sich
eine Nachsaat im Herbst oder Frühjahr an. Es müssen jedoch einige Punkte beachtet werden.
Zunächst ist der Zeitpunkt der Nachsaat zu beachten. Trockenperioden sowie sehr heiße
und zu kalte Zeiten sind zu vermeiden. Die Rasengräser können zwar zwischen 5°C und
30°C keimen, optimal sind jedoch mittlere Temperaturen zwischen 10 und 20°C. September/Oktober
sowie März/April bieten bei etwas erhöhter Luftfeuchtigkeit den besten Zeitpunkt für
eine Nachsaat der schadhaften Rasenflächen.
Ein wichtiger Punkt ist die Vorbereitung des Bodens. Es hat keinen Zweck, das Saatgut auf die mehr
oder weniger geschädigte Rasennarbe zu werfen. Der Boden muss aufgekratzt werden oder der Samen
muss maschinell in Schlitze oder Löcher eingelegt werden. Für größere Flächen
gibt es dafür Maschinen.

Schlitz-Nachsaat mit Spezialger ät für Großflächen
wie Sportlätze und Golf-Fairways
(Foto: K.G. Müller-Beck)

Perforations-Nachsaat mit handgeführtem Spike-Seeder z.B. für Golf-Greens
(Foto: K.G. Müller-Beck)
Auf jeden Fall muss das Saatgut guten Bodenkontakt haben und etwas abgedeckt sein. Die Früchte (so nennt man den Samen der Gräser) brauchen kein Licht zum Keimen und sind so etwas geschützt vor Vogelfraß und Trockenheit.
Bei der Auswahl der Gräserarten für die Nachsaat gibt es nicht viele Möglichkeiten.
Die langsam keimenden Arten wie Wiesenrispe (Poa pratensis) oder Kammschmiele (Koeleria macrantha)
sind in der Regel ungeeignet, weil sie sich gegen den Altbestand nicht durchsetzen können.
Auch die feinblättrigen Straussgräser (Agrostis spec.) sind in der Anfangsentwicklung
sehr zögerlich. Etwas schneller in der Keimung und deshalb besser geeignet für Nachsaaten
ist der Rotschwingel (Festuca rubra) mit seinen Unterarten.
Die beste Art zur Wiederherstellung geschädigter Rasennarben ist das Ausdauernde Weidelgras
(Lolium perenne), auch Englisch Raigras oder Deutsches Weidelgras genannt. Es keimt innerhalb von
wenigen Tagen auch unter schwierigen Bedingungen und kann sich besser als alle anderen Rasengräserarten
gegen die Konkurrenz durchsetzen. Es verträgt den Tritt und Schnitt sehr gut, einige neue Sorten
sind sogar bei Tiefschnitt bis 6mm einsetzbar, und regeneriert sich bei mechanischer Schädigung
und nach Wachstums-störungen bei Krankheiten oder nach Trockenzeiten verhältnismäßig
schnell.
Es steht also keine große Auswahl an Arten für Nachsaaten in Rasenflächen zur Verfügung. Bei Neuansaaten gibt es für alle Rasentypen wie Zierrasen, Gebrauchsrasen, Strapazierrasen und für Landschaftsrasen viele Gräserarten, die je nach Standort und Funktion eingesetzt werden können. Seit Jahrzehnten wird z.B. für Strapazierrasen neben dem Weidelgras auch die Wiesenrispe eingesetzt, weil beide Arten eine Belastung auf einen Sportrasen gut vertragen, wie sich auch wieder bei den Weltmeisterschaften im Fußball in diesem Jahr herausgestellt hat. Aber bei Nachsaaten kann sich die Wiesenrispe nicht durchsetzen und es ist sinnvoll, nur mit Ausdauerndem Weidelgras zu arbeiten. Hier hat man allerdings eine reiche Auswahl an etwa 100 verschiedenen Sorten. Es ist zweckmäßig , zwei bis vier verschiedene Sorten zu verwenden.

Bei Gebrauchsrasen, z.B. Hausrasen, ist eine Mischung von Weidelgras mit Rotschwingel möglich. Rotschwingel keimt zwar etwas langsamer als das Ausdauernde Weidelgras aber es kann sich noch einigermaßen erfolgreich im Rasen durchsetzen.
Zur Sicherung des Auflaufens bei Nachsaaten ist eine flache Abdeckung mit Sand oder anderen vorhandenen
Bodenmaterialien vorteilhaft. Sie schützt den Samen vor Vogelfraß, Wind und Sonne und
bietet einen guten Bodenkontakt.
Eine Nachsaat kann nur erfolgreich sein, wenn auch die aufgelaufenen Jungpflanzen mit Nährstoffen
und Wasser gut versorgt werden. Die Konkurrenz durch die Wurzeln des Altbestandes kann sehr hoch
sein. Die jungen Gräser müssen sich erst entwickeln und brauchen zum Start eine extra
Portion Dünger.
Der Nachsaaterfolg ist also stark abhängig von den durchgeführten Maßnahmen wie
Bodenöffnung und Abdeckung des Saatgutes, sowie von den Witterungsverhältnissen und den
Gräserarten und –sorten. Rasengräser sind mehrjährig (ausdauernd) aber in unserer
Umwelt nicht unendlich lange lebensfähig. Besonders das Ausdauernde Weidelgras altert ziemlich
schnell. Deshalb müssen auch nicht sichtbar geschädigte Rasenflächen immer wieder
mit jungen Gräsern durch Nachsaat ergänzt werden.
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