Autoren: © Dipl. Agr. Biologe Martin Bocksch, Eltville und Dr. agr. Harald Nonn, Rasenforschung WOLF-Garten/EUROGREEN, Betzdorf
Ausgewachsene Grasmilben leben im Boden und werden erst während des Larvenstadiums zum Plagegeist
für Menschen und Tiere. So beobachteten in den letzten Jahren die Hautärzte immer häufiger Kinder
und Erwachsene, die im Sommer meist von den Füßen bis in die Leistenbeugen und Achselhöhlen
von zahlreichen, roten und extrem juckenden Quaddeln übersät sind.
Als Ursache für diese unangenehmen Erscheinungen wurden sehr oft die Larven der Grasmilbe diagnostiziert,
von denen die Betroffenen beim Aufenthalt auf Rasenflächen befallen wurden.
Milben (Acari) sind sehr kleine Tiere, meist zwischen 0,5 und 2 mm groß und zählen zur Klasse der Spinnentiere (Arachnida). Erwachsene (adulte) Milben haben 4 Beinpaare. Die Laufbeine können jedoch je nach Lebensweise zu Klammerorganen, Fußstummeln oder Schwimmbeinen umgebildet sein. Die vorderen Extremitätenpaare bilden mit der Körperspitze einen röhrenförmigen Mundraum und sehr effektiven Stech- und Saugapparat.
Grasmilben gehören zu den Laufmilben. Davon sind über 1.000 Arten beschrieben. Nicht
mehr als 25 davon nutzen teilweise auch den Menschen als Wirt.
Die Grasmilbe hat viele Namen, so z.B. Herbstmilbe, Herbstgrasmilbe, Erntemilbe, Heumilbe, Rasenmilbe
und noch einige mehr. Ihre Größe schwankt zwischen 1 mm und 2 mm.

Abb. 1: Milben (Acari) zählen zur Klasse der Spinnentiere (Arachnida). Es gibt etwa
20.000 beschriebene Arten. Die Milben gehören damit zu der artenreichsten Gruppen der Spinnentiere.
Die erwachsene Milbe ist rot gef ärbt und mit vielen langen, weißen Haaren bedeckt. Sie lebt im Boden und an bodennahen Gräsern, Moos und Sträuchern im Freiland. Ab April ist sie aktiv. Zu einem Massenauftreten kann es bei trockener, warmer Witterung im Spätsommer bis Herbst kommen. Adulte Grasmilben und auch ihre Nymphen leben von Pflanzenmaterial, Milben- und Insekteneiern. Bei Frost oder starken Regenfällen verziehen sie sich 60 – 90 cm tief in den Boden. Die Grasmilbe macht einen Generationszyklus im Jahr. Ihre Entwicklung durchläuft vier Stadien: vom Ei über Larven- und Nymphenstadium, zur geschlechtsreifen adulten Milbe. Nachts sind Grasmilben nicht aktiv. Ihre maximale Beweglichkeit erreichen sie am Nachmittag. Ihre Hauptverbreitungsgebiete scheinen Frankreich, Süd- und Mitteldeutschland, die Alpenländer und Südost-Europa zu sein.
Von der Grasmilbe (Trombicula autumnalis) leben nur die ca. 0,25 mm großen Larven parasitär. Diese Larven sind oval und blass orange gefärbt und schlüpfen während des Sommers nach etwa 1 Woche aus dem Ei. Sie bleiben bis November aktiv. Trotz ihrer geringen Größe sind sie bei warmem Wetter sehr beweglich und schnell (bei 25°C bis zu 24 cm / Min.). Die Larven suchen schattige Stellen auf und klettern an die Spitze von Gräsern, wo sie in dichten „Klumpen“ lagern. Bei genügender Feuchtigkeit können sie mehrere Monate ohne Nahrung überleben.
Das CO2 in der Atemluft von vorbeilaufenden potenziellen Wirten löst den Stimulus zur Bewegung aus. Von den Blattspitzen der Gräser treffen sie bei einem Menschen in der Regel auf die Füße und wandern an den Beinen hoch. An einer geeigneten Stelle beißen sie sich dann fest. Bei Tieren sind das meist Pfoten, Ohren, Halsbereich und die Schwanzwurzel. Beim Menschen sind es die Unterschenkel, Kniekehlen und die Leistenbeuge, am Rand der Unterwäsche, wo die bevorzugten feucht-warmen Bedingungen herrschen.
Mit ihren Mundwerkzeugen ritzen die Milbenlarven die Haut ihrer Wirte ein, injizieren ein Verdauungssekret in die Wunde, das die Haut verflüssigt. Anschließend saugen sie sich damit voll. Aufgrund zwei verschiedener Sekrete entsteht durch mehrmaliges injizieren ein „Saugkanal“ in die Haut.

Abb. 2: „Saugkanal“ der Larve der Grasmilbe in der Wirtshaut durch mehrmaliges
Ausscheiden eines Sekretes, (nach Vitzhum 1930)
Die Angaben, wie lange die Larve saugt, schwanken zwischen 6 – 8 Stunden und 2-3 Tagen. Dabei schwillt die Larve auf bis zu 0,75 mm an. Danach lässt sie vom Wirt ab und dringt in den Boden ein. Im Boden entwickelt sich die Larve in 5 – 6 Wochen zur achtbeinigen Nymphe. Die Nymphen sind mit ca. 1 mm Länge kleiner als die Erwachsenen (adulten) Milben. Auch fehlen ihnen die Geschlechtsorgane. Nymphen und adulte Milben überwintern im Boden. Die Larven befallen zwar auch den Menschen, Hauptwirte sind jedoch verschiedene Mäuse und Maulwürfe.
Etwa 24 Stunden nach dem Saugen erzeugt der Speichel einen sehr starken Juckreiz, der über Tage anhalten kann. Auch heftige allergische Reaktionen sind möglich. Kratzen kann zu Entzündungen und sekundären Infektionen führen. Bei Haustieren können bei starkem Befall gelborange Beläge mit den Larven entstehen
Da sowohl die adulten Milben wie auch die Larven der Grasmilben sehr klein sind, sind sie mit dem
bloßen Auge im Rasen nicht zu erkennen. Ob ein Befall vorliegt, kann jedoch mit weißen
Fliesen überprüft werden. Nach dem Auslegen im Rasen, werden die Milben und Larven durch
deren Helligkeit angelockt und krabbeln auf die weißen Flächen, wo man sie als winzige
Punkte erkennen kann.
Grasmilben sind noch relativ wenig erforscht. Am Institut für medizinische Parasitologie der Universität
Bonn beschäftigt sich seit einigen Jahren ein Doktorand intensiver mit den Tieren. Eine
erste wichtige Erkenntnis dieser Arbeit lautet: Krankheiten werden von den Milben offensichtlich
nicht übertragen. Die Universität hat im Internet ein Merkblatt zur Grasmilbe veröffentlicht.
Der tagelange starke Juckreiz führt besonders bei Kindern zu einer verstärkten Kratztätigkeit. Dies kann zu Entzündungen und sekundären Infektionen führen. Eine Behandlung mit Salben mit kühlender Wirkung, wie sie auch nach Insektenstichen angewendet werden, kann den Juckreiz lindern. Auch Essig oder Zitronensaft können hier helfen. Bissstellen sollten außerdem desinfiziert werden.
Bei Haustieren können wunde, befallene Stellen mit einem Anti-Parasitenmittel behandelt werden. Die speziellen Medikamente dafür gibt es beim Tierarzt.
Quellen:
Auszug aus W.Tischler "Grundriß der Humanparasitologie"
(übergeben von Prof. G. Alberti, Universität Greifswald)
Lucius, R., Loos-Frank, B., 1997, “Parasitologie”, Spektrum Akademischer Verlag
Löwenstein, M., Hönel,A., 1999, “Ektoparasiten bei Klein- und Heimtieren”, Enke Verlag
Gliesmann, S., Hermanns-Sellen, M., “Ungeziefer im Haushalt”, Wissenschaftsl. Gießen e.V.
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