Autoren: © Thomas Pasch, Gepr. Head-Greenkeeper, Borussia-Park, Mönchengladbach
Die heutige professionelle Sportvermarktung hat den Fußball so stark in den Focus der Öffentlichkeit
gerückt, dass es kaum noch möglich scheint, Spiele aufgrund von unbespielbaren Platzverhältnissen
abzusagen.
Aus diesem Grunde ist jeder Head-Greenkeeper in der Pflicht, für seinen Verein sämtliche
Möglichkeiten auszuschöpfen, um seinen Platz in einem spieltechnisch einwandfreien und
optisch makellosen Zustand zu präsentieren.
Die Möglichkeiten scheinen sich zwar wie immer an den finanziellen Rahmenbedingungen zu orientieren
aber die örtlichen Verhältnisse sowie die Witterung und nicht zuletzt der enge Zeitplan
von Bundesliga, DFB-Pokal und Internationalem Wettbewerb zwingen die Rasenpflege immer wieder in
ein recht enges Korsett.
Das Hauptaugenmerk der Pflege beschränkt sich im Winter auf die Vermeidung, Erkennung und Bekämpfung
von Rasenkrankheiten und auf die Reparatur von Spielschäden.
Eine kalibetonte Düngung vor dem Wintereintritt ist Grundvoraussetzung für die erwünschte
Pflanzenentwicklung. Der permanente Einsatz der Rasenheizung während des Winterspielbetriebes
sorgt bei konstanten Bodentemperaturen von 8°-10° Celsius für minimales Wachstum und
einen ansprechenden Farbaspekt.
Selbst eine Perforationssaat beginnt zu keimen und sorgt in den Lücken für eine leichte
Bedeckung. Der Abtrocknungseffekt durch die Bodenheizung und eine vorausgegangene mechanische Lockerung
der Böden sorgen für einen optimalen Gasaustausch im Wurzelhorizont und verbessern die
Scherfestigkeit der Böden.
Achtung: Zu starkes Abtrocknen der Pflanzenbestände muss jedoch vermieden werden,
wenn die Beregnungsanlage aus Witterungsgründen nicht zur Verfügung steht.
In der Regel werden Ausbesserungen am Platz nach folgendem Schema durchgeführt:
Kleine Narbenschäden werden nach jedem Spiel durch so genanntes „Stöpseln“ ausgebessert.
Hierbei werden runde Rasenstopfen mit einem Durchmesser von 10 cm (maximal bis – 30
cm) mit einem Locheisen ausgetauscht.
Je nach Witterung und Spielverlauf werden nach dem Spiel ca. 400 bis weit über 1000 Stopfen
pro Platz eingesetzt.
Das Ersatzmaterial sollte möglichst auf einer beheizbaren Ausgleichsfläche in Reichweite
des Stadions „geerntet“ werden können.
Die identische Sportrasenmischung und geeignete Bodenverhältnisse einer Rasentragschicht gewährleisten
einen spieltechnisch und optisch erfolgreichen Einbau. Auf die exakte Einbauhöhe der Stopfen
ist unbedingt zu achten, um die gegebene Ebenflächigkeit nicht zu beeinträchtigen.

Abb. 1: Einsatz von „Rasenstöpseln“ zum Ausgleich
von Rasenschäden nach einem Fußballspiel,
Foto: Th. Pasch
Größere Rasenschäden, beispielsweise im Bereich der Schiedsrichter Assistenten
Wege, werden mit so genannten Rasenplatten oder Blockrasen beseitigt.
Die Platten haben eine Größe von 45 x 45 cm und sind 4 cm dick. Bei einem Gewicht bis
zu 20 kg lassen sie sich bei sachgemäßem Einbau nicht mehr vom Spieler heraustreten.

Abb. 2: Verwendung von „Blockrasen“ zur Ausbesserung
vongrößeren Rasenschäden am Spielfeld, Foto: Th. Pasch
Die beschädigten Flächen werden mit einem tiefenjustierbaren Rasenhobel ausgehöhlt.
Im Anschluss wird die Rasenplatte eingesetzt und angestampft. Hierbei verkeilt sich die Platte trittfest
im Spielfeld.
Je nach Schadbild werden nach jedem Spiel bis zu 250 Platten eingesetzt.
Umfangreiche Spielschäden während der laufenden Saison, die einen kontrollierbaren Umgang
mit dem Fußball nicht mehr gewährleisten, sollten großflächig ausgetauscht
werden. Im Winter geschieht dies durch Verwendung einer „Dicksode“ (35-42 mm Sodenstärke).
Durch ihr hohes Eigengewicht ist die Dicksode auch ohne Verwurzelung sofort voll belastbar.
Eine Großrolle ist ca.1 m. breit und ca.12-14 m. lang. Sie wiegt je nach Bodenbeschaffenheit
ca. 800 Kg.
Die geschädigten Flächen werden abhängig von Größe und Kontur mit einer Spezialmaschine ausgefräst oder mit einem Sodenschneider abgeschält. Anschließend wird das Feinplanum auf der bestehenden Rasentragschicht erstellt.

Abb. 3: Entfernung des Rasens bei stark geschädigten
Teilflächen (z.B. Strafraum) zur Vorbereitung auf die
Verlegung einer „Dicksode“, Foto: Th. Pasch
Vor der Verlegung der Dicksode sollte das Planum von Hand aufgeraun werden, um eine bessere Verzahnung der Horizonte zu gewährleisten. Bodenhilfsstoffe und Dünger können hierbei mit eingearbeitet werden, damit die Wurzeln stimuliert werden, rasch in die Tragschicht einzuwachsen.
Abb. 4: Verlegung einer „Dicksode“ mit Spezialgerät
zum Rasentausch im Strafraum eines Stadionrasens,
Foto: Th. Pasch
Die vom Fertigrasen-Produzenten gelieferte Dicksode wird mit Hilfe einer Verlegemaschine abgerollt und fugenfrei angerückt. Je nach Zustand der Sode und der vorherrschenden Witterungsverhältnisse ist ein Anwalzen sinnvoll.

Abb. 5: Abschließendes Anwalzen einer frisch verlegten
„Dicksode“, zur Vermeidung von Fugenbildung und
Erhöhung der Ebenflächigkeit, Foto: Th. Pasch
Unmittelbar nach der Beendigung derartiger Reparaturmaßnahmen ist die neue Dicksode voll belastbar und kann bespielt werden.
Umfangreiche Pflege- und Reparaturmaßnahmen am Rasen gehören heute in den Stadien
und Arenen auch im Winter zur Tagesordnung. Der Umgang mit der lebenden Graspflanze
erfordert jedoch die Beachtung von Wachstumsregeln, die auch der kommerzielle Fußball
nicht außer Kraft setzen kann.
Die sich immer weiter öffnende Schere zwischen den Ansprüchen der Stadionbetreiber und
der Leistungsfähigkeit der Rasenpflanzen kann im Pflegebereich nur durch eine
fachkompetente, effiziente und leistungsstarke Pflegecrew kompensiert werden.
Eine wichtige Grundvoraussetzung hierzu muss durch eine komplette, hoch technisierte Maschinenausstattung
gewährleistet sein.
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