Autoren: © Dr. Klaus Müller-Beck, Vorsitzender Deutsche Rasengesellschaft
Für zahlreiche verantwortliche Mitarbeiter aus den Sport- und Grünflächenämtern
der Gemeinden in Bayern war es ein besonderes Ereignis, im Rahmen einer Fachtagung der Firma COMPO,
Anfang Juli 2005 einmal persönlich den Rasen der neuen Allianz Arena in München zu begutachten.
In Form kleiner Workshops erläuterten die beteiligten Sachverständigen Dr. Linus Wege
und Dr. Clemens Mehnert die wichtigsten Kriterien zum Bodenaufbau mit Rasenheizung sowie zur Auswahl
des speziellen „Power-Rasens“ der Firma Schwab.
Hierbei wurde deutlich, dass bereits bei der Anlage des Rasens eine ausreichende Menge an Nährstoffen
zur Grundversorgung in die Rasentragschicht eingemischt wurde.

Einarbeitung der Grunddüngung und der Bodenhilfsmittel vor dem Verlegen des Fertigrasens. (Foto:
H. Wagner)

Verlegen der Jumbo-Rolle in der Allianz Arena München. (Foto: H. Wagner)
Die Fachbesucher konnten sich vor Ort einen unmittelbaren Eindruck von der guten Rasenqualität verschaffen. Das Besondere an diesem „Power-Rasens“ liegt in der Verwendung der Grasart Festuca arundinacea (70 %) in Kombination mit Poa pratensis (20 %) und Deschampsia cespitosa (10 %). Durch diese Gräserkombination entsteht eine robuste Rasentextur mit einer „bürstigen“ Rasennarbe. Zur Erhaltung dieser Gräser ist, abweichend zum Standarddüngeplan, eine gezielte Nährstoffversorgung in der zweiten Jahreshälfte erforderlich.

Fachbesucher bei der Besichtigung des Stadionrasens (Foto: K. Müller-Beck)

Top-Qualität des Stadionrasens der Allianz Arena
Anfang Juli 2005
Foto: K. Müller-Beck
Die „Kesselform“ des Stadions führt zu ganz speziellen Licht- und Klimaverhältnissen und so unterliegt auch die Allianz Arena eigenen Bedingungen.
Die aufwendige Dachkonstruktion mit einer Gesamtfläche von 60.000 Quadratmetern besteht aus
2.800 Kissen aus einer 0,2 mm dünnen ETFE-Folie (Ethylene Tetrafluoroethylene). Diese von Stahlträgern
gehaltene Dachhaut ist zu 98% UV-durchlässig und selbstreinigend. Alle Kissen bestehen aus
einer transparenten Unterseite. Im Bereich der Fassade gibt es eine transluzente (weiße) Oberseite.
Im Dachbereich müssen aufgrund der Sonneneinstrahlung bzw. Lichtdurchlässigkeit für
den Rasen alle Kissen transparent sein.
Gleichwohl kommt es in den südlichen und westlichen Randbereichen des Spielfeldes vor allem
im Winter häufig zu Schattenbildung.
Um die Stadion-Atmosphäre während eines Spieles schalltechnisch zu dämpfen, wird darüber hinaus das lichtdurchlässige Stadiondach mit ausfahrbaren Jalousien unterseits schattiert. Trotz dieser unterschiedlichen Verhältnisse muss der Rasen immer mitspielen.

Modell des Bodenaufbaues in der Allianz
Arena München: Darainschicht –
Sandschicht + Heizung – Tragschicht –
Rasensode. (Foto: K. Müller-Beck)

Dachkonstruktion der Allianz Arena mit teilweise geschlossenen Jalousien (li.): (Foto: K. Müller-Beck)
Das bisherige Pflegemanagement wird neben der Düngung maßgeblich durch die intensiven
mechanischen Maßnahmen wie Aerifizieren und Topdressen bestimmt, was bedeutet, dass zunächst
kleine Bodenkerne aus dem Rasen gestanzt und die entstandenen Löcher mit einer leichten Sandmenge
wieder aufgefüllt werden.
Durch diese Pflege kann zum Start der Bundesliga ein perfekter Rasen angeboten werden.
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