Autoren: ©Dr. Klaus Müller-Beck, Vorsitzender Deutsche Rasengesellschaft
Gerade in den Frühjahrswochen nehmen die Anfragen bei der Deutschen Rasengesellschaft zu
aktuellen Rasenfragen deutlich zu.
Einige dieser häufig gestellten Fragen sollen hier für alle engagierten Hausrasenbesitzer
beantwortet werden.
Moose breiten sich besonders bei zu tiefem Mähen oder bei Nährstoffmangel der Gräser aus, da die Konkurrenzkraft der Gräser geschwächt ist. Diese beiden Ursachen lassen sich durch Anheben der Schnitthöhe und optimale Düngung sehr leicht abstellen. Liegt die Vermoosung jedoch am ungeeigneten Standort (z.B. starke Schattenbildung oder Staunässe im Boden), so müssen diese Bedingungen verbessert werden, damit eine nachhaltige Optimierung einsetzen kann.
Bei lockeren Moosen und nicht allzu hohem Besatz lassen sich Moospolster mit Vertikutiergeräten oder Handrechen aus dem Rasen entfernen.
Moose verdrängen nach und nach den Anteil der Gräser in einer Rasennarbe.

Moosbekämpfung mit Spezialprodukten im Frühjahr und im Herbst besonders günstig.
Flankierend zu der Ursachenbeseitigung können eine Reihe von Spezialprodukten als Moosvernichter zur Anwendung kommen. Bei der Bekämpfung von Moosen werden Präparate mit einer Kontaktwirkung benutzt. Es gibt im Markt sehr gut wirksame Produkte für die Moosbekämpfung auf der Basis von Eisensulfat.
Durch Eisensulfat wird das Moos verätzt. Aufgrund der Wuchsform wird die Wasseraufnahme der Moose gestört, so dass die Pflanzen schwarz werden und absterben. Neuere Produkte nutzen die Essigsäure als geeigneten Wirkstoff zur Bekämpfung von Moosen im Rasen.
Rasendünger mit Moosvernichter befreien innerhalb weniger Wochen den Rasen von seinen Konkurrenten
und fördern das Dichtewachstum der Gräser.
Das Wirkungsprinzip ist sehr einfach: Es färbt sich das Moos schwarz und stirbt ab, dann wird
das abgestorbene Pflanzenmaterial mit der Harke oder dem Vertikutierer entfernt.
Bei der Behandlung von vermoosten Rasenflächen mit einem Rasendünger plus Moosvernichter
bieten sich zwei Termine in der Rasensaison an. Zunächst einmal ist die Frühjahrsdüngung
mit einem Dünger + Moosvernichter besonders günstig einzuschätzen. Die Gräser
werden zum Wachstum stimuliert und die Moospflanzen sterben ab. Ein weiterer Termin wäre dann
zum Ende der Saison, etwa im Frühherbst Anfang Oktober.
Mit Beginn der Wachstumsperiode im Frühjahr setzt bei den Gräsern ein hoher Nährstoffbedarf
ein. Je nach Standort sollte dann etwa ab März bis Mitte April die Frühjahrsdüngung
mit einem geeigneten Rasendünger durchgeführt werden.
Für die gesunde Gräserernährung hat sich folgendes Nährstoffverhältnis
in der Praxis bewährt:
N : K2O : P2O5 : Mg = 1 .0,3 : 0,5-0,8 :0,2
Die angebotenen Rasendünger berücksichtigen den hohen Stickstoffbedarf der Rasengräser. Gleichzeitig enthalten sie meistens einen angemessenen Anteil der Hauptnährstoffe , Kali, Phosphat und Magnesium. Im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Mineraldüngern besteht die Stickstoffkomponente aus einem sofort wirksamen Anteil und einem Anteil an Langzeitstickstoff, der aufgrund der chemischen Zusammensetzung für die Gräseraufnahme im Boden erst umgewandelt oder freigesetzt werden muss.

Lockere Rasennarbe eines ungedüngten Rasens. Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern
ist eingeschränkt, Regenerationsvermögen und Belastbarkeit sind geschwächt
Sofern man einen möglichst dichten Rasen wünscht, so sind für die Jahresdüngung
in der Regel drei Düngergaben erforderlich. Nach der Frühjahrsdüngung folgt dann
zu Beginn des Frühsommers eine Zweitdüngung; denn zu diesem Zeitpunkt ist noch einmal
mit einem beträchtlichen Nährstoffanspruch zu rechnen.
Während der Sommermonate wird das Wachstum ein wenig eingeschränkt. Zur Vorbereitung auf
die Herbst- und Wintermonate sollte dann die dritte Düngung etwa Mitte/Ende August ausgebracht
werden, so dass für das aktive Wurzelwachstum genügend Nährstoffe zur Verfügung
stehen.
Liefert die Bodenuntersuchung darüber hinaus einen kritischen Wert für die Versauerung
des Bodens (pH <5,5), so sollte eine entsprechende Kalkung für den Rasen vorgesehen werden.
Als günstiger Ausbringungstermin wäre hier das zeitige Frühjahr zu nennen, etwa Ende
Februar bis Anfang März.
Ein strapazierfähiger Rasen benötigt ausreichende Nährstoffe zur Bildung von möglichst vielen Seitentrieben, die dann eine dichte, geschlossene Rasendecke bilden. Erst wenn der Rasen lückig geworden ist, können unerwünschte Pflanzen, wie beispielsweise Löwenzahn, Wegerich, Gänseblümchen oder Moose in die Rasenfläche einwandern. Bei ausreichender Förderung der Gräseransprüche im Hinblick auf Nährstoffe, Wasser und Schnitthöhe ist die Konkurrenzkraft der Gräser so stark, dass unerwünschte Pflanzenarten kaum die Chance bekommen, einen Platz zu finden.

Ungedüngter Rasen mit lückiger Narbe und starker Verunkrautung

Dichte Rasenbildung bei dreimaliger Düngung (18 g N/m²/Jahr)
Bei erhöhtem Unkrautbesatz wird eine Behandlung mit selektiv wirkenden Herbiziden erforderlich.
Hier kommen sowohl Rasendünger mit UV zum Einsatz oder es werden zugelassene Wuchsstoff-Herbizide
im Gieß- bzw. Spritzverfahren angewandt.
Da es bei der Bekämpfbarkeit der verschiedenen Unkrautarten Abstufungen im Wirkungsgrad der
unterschiedlichen Präparate gibt, erscheint es zunächst einmal sinnvoll, die zu behandelnden
Unkräuter im Rasen einer entsprechenden Gruppe zuzuordnen. Bei den Angaben auf den Verpackungen
findet man meistens Hin-weise, für welche Pflanzenarten das jeweilige Präparat eine ausreichende
Wirkung besitzt. So sind beispielsweise die Ehrenpreisarten (Veronica spec.) schwer bekämpfbar
und werden von einigen Präparaten nicht erfasst. Hier wäre dann eine mechanische Bearbeitung
sinnvoll.
Granulierte Kombinationsprodukte wirken am besten, wenn sie morgens auf den taufeuchten Rasen und bei feuchtwarmer Witterung ausgestreut werden. Drei bis vier Tage nach dem Mähen haben die Unkräuter eine ausreichend große Blattmasse gebildet, um den Wirkstoff aufzunehmen. Frühestens nach circa drei bis fünf Tagen kann dann wieder gemäht werden.
Da es sich bei den flüssigen Präparaten um Wuchsstoffmittel handelt, wird der Wirkstoff
in der gesamten Unkrautpflanze verteilt, was zum Absterben der zweikeimblättrigen Pflanzen
führt.
Der Behandlungstermin mit diesen Produkten sollte möglichst in die Hauptwachstumszeit der Gräser
gelegt werden. Hier hat sich beispielsweise der Mai als besonders guter Behandlungsmonat herausgestellt.
Eine letzte Applikation wäre dann spätestens in der 1. Septemberhälfte möglich.
Der Einsatz eines Unkrautvernichters während der heißen Sommermonate ist nicht anzuraten,
da zu diesem Zeitpunkt die Gräser kaum Wachstum zeigen und durch die Hitze eher gestresst sind.
Sofern die Anwendungen von Herbiziden erforderlich wird, so ist darauf zu achten, dass nur Produkte
mit einer entsprechenden Zulassung für den Hausrasen eingesetzt werden.
Rasenmischungen werden funktionsbezogen zusammengesetzt. Für strapazierfähige Rasen
sind vor allem Lolium perenne (Ausdauerndes Weidelgras) und Poa pratensis (Wiesenrispe) geeignet.
Für Zierrasen werden die feinblättrigen Arten bevorzugt, wie Agrostis stolonifera (Weißes
Straußgras) und Festuca rubra (Rotschwingel).
Gebrauchsrasen, die als Hausrasen oder in Parkanlagen Verwendung finden, werden aus einer Kombination der genannten Arten zusammengesetzt.
Bei Verwendung von Regel-Saatgutmischunen (RSM) hat man eine gewisse Gewähr für gute Qualität des Saatgutes. In diesen Mischungen werden die geeigneten Rasensorten jeder Art verwendet und die Mindestkeimfähigkeit ist oft höher als bei anderen Mischungen.
Gute Saatgutmischungen für den Hausrasen bestehen aus drei Gräserarten (Festuca rubra,
Lolium perenne, Poa pratensis) mit verschiedenen Sorten.
Als Standardmischung für den strapazierfähigen Hausrasen kann der Typ RSM 2.3 Gebrauchsrasen herangezogen werden.
40 % Festuca rubra |
Rotschwingel (3 Sorten) |
| 30 % Lolium perenne | Ausdauerndes Weidelgras ( 2 Sorten) |
| 30 % Poa pratensis | Wiesenrispe (2 Sorten) |
Die Mischungsanteile in Gew.-% geben den Regelwert wieder. Das Mischungsangebot verschiedener Hersteller kann im Rahmen eines Spielraums variieren.
In zahlreichen Hausgärten mangelt es an ausreichenden Lichtverhältnissen für das Wachstum von Rasengräsern. Die Art der Schattenbildung wird durch Hauswände, hohe Hecken oder Bäume verursacht. Die Wirkung auf die Gräser ist daher recht unterschiedlich zu beurteilen, da bei einem Baumschatten neben Lichtmangel auch noch Wasser- und Nährstoffmangel auftreten können. In der Regel können unter Schattenbedingungen meist nur lockere Rasennarben entwickelt werden.
Da die Grasarten unterschiedlich auf Schattenwirkung reagieren, sollten in den s.g. „Schattenrasen-Mischungen“ zumindest einige der speziellen Arten enthalten sein, wie beispielsweise die Grasarten Deschampsia cespitosa (Rasenschmiele), Poa supina (Lägerrispengras), oder Poa nemoralis (Hainrispe).
Nach dem Saatgutverkehrsgesetz müssen auf den Verpackungen Etiketten bzw. entsprechende Aufdrucke mit der Mischungszusammensetzung enthalten sein, so dass der Verwender die Mischungen vergleichen kann.
Alle Fotos: Dr. Klaus Müller-Beck
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