Autoren: © Dipl. Agr. Biologe Martin Bocksch
Ergänzungen: Dr. Klaus Müller-Beck, Vorsitzender Deutsche Rasengesellschaft
Zur Herstellung und zum funktionsgerechten Erhalt von Rasenflächen ist eine ausreichende Nährstoffversorgung in entsprechender Verteilung erforderlich. Der Nährstoffbedarf wird von den Gräserarten und der Nutzungsintensität einer Fläche sowie von den Boden- und Witterungsbedingungen bestimmt. Im Rahmen der Gesamt-Nährstoffversorgung ist Stickstoff (N) das wichtigste Element für Bestockung und Wachstum. Die Stickstoffwirkung hängt von weiteren Faktoren wie Düngerform und essentiellen Begleitnährstoffen ab.
Insbesondere die hochwertigen Golfgrüngräser, die Straußgrasarten, aber auch Poa
annua (Jährige Rispe), stellen hohe Nährstoffansprüche gerade an die Stickstoffversorgung.
In diesem Beitrag sollen am Beispiel der Golfplatzdüngung die Auswirkungen von granuliertem
Dünger im Vergleich zum Einsatz von Flüssigdüngern erläutert werden.

Abbildung 1: Spezialgerät zur Injektion von Flüssigdüngern in den Wurzelhorizont
(USA)
Der wichtigste Nährstoff Stickstoff (N) liegt in den verschiedenen Düngern unterschiedlich gebunden vor. Als schnell verfügbarer Nitrat-, Ammonium- oder Harnstoff- Stickstoff in den Mineraldüngern, oder als höherwertiges Molekül in den synthetisch-organischen Harnstoffkondensaten wie Isodur (IBDH), Methylenurea (MU) oder Ureaform (UF) und als natürlich-organisch gebundener Stickstoff, der ebenfalls zur Freisetzung zunächst von Bodenorganismen mineralisiert werden muss. Eine weitere Gruppe stellen die umhüllten Granalien dar, bei denen der Stickstoff je nach Hüllsubstanz kontrolliert abgegeben wird. Daraus ergeben sich drei Stickstoffdünger-Wirkgruppen: Kurzzeitdünger, Langzeitdünger und Kombinationsdünger.
Gräser können über die Wurzeln nur Ammonium- und Nitrat-Stickstoff aufnehmen. Andere
Stickstoffverbindungen müssen in diese pflanzenverfügbaren Formen umgesetzt werden.
Rasch verfügbare Stickstoffdünger bergen bei zu hohen Einzelgaben die Gefahr von Verletzungen
der Gräser durch Verätzung und von möglichen Nitratverlusten bei hohen Niederschlägen.
Diese Gefahren bestehen nicht bei der sachgemäßen Anwendung von Langzeitdüngern.
Nährstoffionen können von der Pflanze nur in gelöster Form aufgenommen werden.
Da die Nährstoffe meist in der Bodenlösung in gelöster Form vorliegen, sind es in
erster Linie die Wurzeln, die die Nährstoffe aufnehmen.
Die Graspflanze kann aber über ihre gesamte Oberfläche Nährstoffionen aufnehmen.
Dabei kommt den Blättern aufgrund ihrer Fläche und Oberflächenstruktur eine größere
Bedeutung zu.
Granulierte Dünger sind trockene Partikel unterschiedlicher Größe. Sie entstehen
durch Brechvorgänge, Granulierung, Kristallisierung, Pulverisierung oder Pillierung.
Es gibt homogene Produkte (alle Granalien enthalten die gleichen Nährstoffe in gleicher Verteilung)
und inhomogene Mischungen (Partikel enthalten unterschiedliche Nährstoffe in unterschiedlicher
Verteilung und Konzentration, man spricht von Blends). Feste granulierte Dünger werden mit
geeigneten Düngerstreuern gestreut.

Abbildung 2: Angebauter Pendelstreuer zur Verteilung von Düngergranulat auf der Rasenfläche.
Flüssige Dünger sind entweder echte „Lösungen“ oder „Suspensionen“,
in die kleinsten Festkörper als schwebende Teilchen enthalten.
Flüssige Dünger können gegossen oder gespritzt werden. Letztere Ausbringung bietet
die größte Sicherheit und Genauigkeit.
Flüssigdüngung bedeutet die Ausbringung der Nährstoffe in gelöster Form. Sie
kombiniert die Wirkung von Blatt- und Wurzeldüngung. Der Teil der Nährstoffe der nicht über
das Blatt aufgenommen wird, geht in die Bodenlösung und wird von den Wurzeln aufgenommen.
Auf dem Blatt müssen die gelösten Nährstoffionen die wachshaltige Kutikula durchdringen.
Anschließend dringen sie im freien Blattraum durch Diffusion bis zum Cytoplasma vor. Der Eintritt
in das Cytoplasma ist prinzipiell der Ionenaufnahme durch die Wurzelzellen vergleichbarer. Es ist
ein energieaufwendiger und aktiver Vorgang. Die Stomata (Spaltöffnungen) der Blätter haben
keine größere Bedeutung für die Aufnahme der Nährstoffionen.
Welche Faktoren beeinflussen die Nährstoffaufnahme über das Blatt?
Bewährte und kostengünstige Ausbringung der Dünger mit dem Streugerät; geringerer
Arbeitsaufwand; Einzelgabe von größeren Nährstoffmengen in einer Applikation ist
möglich; geringere Gefahr von Ätzschäden; weniger Applikationen.
Über Bodenlösung und Wurzeln entsteht keine selektive Aufnahme der Nährstoffionen
(Die negativ geladene Kutikula der Blätter wirkt selektiv auf die Aufnahme der Nährstoffionen,
positiv für Kationen (+) und negativ für Anionen (-).);
Keine Nährstoffverluste durch Aufnahme von Düngerkörnern; kein Einregnen oder Vertikutieren zur Einbringung in die Rasennarbe notwendig; Nährstoffaufnahme über Blatt und Wurzel; rasche Wirkung; gezielte, schnelle Effekte; häufige, kleine Gaben erlauben größtmögliche Kontrolle der Nährstoffversorgung und -wirkung; kein Stoßwachstum; kein Einfluss des Boden pH-Wertes; minimiertes Umweltrisiko; bessere Kontrollierbarkeit des „Green Speed“ der Grüns; gute Nährstoffwirkung auch bei kleinen Wurzelsystemen (Stress; Jungpflanzen).
Tabelle 1: Dauer der Aufnahme einzelner Nährstoffe bei Flüssigdüngung (Quelle Compo)
Nährstoff |
Ladung |
50 % ige Aufnahme |
Stickstoff |
NH4+ / NO3- |
1 – 6 Std. |
Phosphat |
P2O5- |
2,5 – 6 Tage |
Kali |
K2O+ |
1 – 4 Tage |
Magnesium |
MgO+ |
20% in 1 Std. |
Eisen |
Fe II + Fe III |
8% in 24 Std. |
Mangan |
Mn |
1 - 2 Tage |
Zink |
Zn |
1 Tag |
Auf einem Golfgrün stehen die Gräser allein durch den regelmäßigen Tiefschnitt unter permanentem Stress. Gestresste Pflanzen reduzieren das Wurzelsystem. In der Folge leidet darunter die Wasser- und Nährstoffaufnahme.
Bei der Bewertung einer Umstellung von der granulierten auf die flüssige Ausbringung von Düngern bzw. bei der Kombination dieser Möglichkeiten sind folgend Punkte zu beachten:

Abbildung 3: Aufgesattelte Spritze zur Verteilung von Flüssigdüngern auf dem Golfgrün.
Jeder Anwender muss für sich die aufgeführten Argumente zur Wahl des Düngesystems mit einer entsprechenden Gewichtung für die jeweilige Rasenfläche (z.B. Golfanlage) zur Entscheidung heranziehen, damit die Qualitätsziele der Rasenpflege bei angemessenem Aufwand erreicht werden.
Nach Aussage von Prof. Römheld, Uni Hohenheim, anlässlich der Greenkeeper-Jahrestagung 2004, ist eine wissenschaftliche Betreuung und Auswertung der unterschiedlichen Beobachtungen und Behauptungen zur Flüssigdüngung im Rasen dringend wünschenswert.
Fotos alle Dr. K.G. Müller-Beck
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