Autoren: © Dipl.Ing.sc.agr. Jörg Morhard, RFH und Dr. agr. Klaus Müller-Beck, DRG
Zu den Hauptaufgaben der Rasen-Fachstelle zählen eine Reihe von Projekten aus der
angewandten Rasenforschung, die derzeit in verschiedenen Versuchsanstellungen
bearbeitet werden. Daneben werden Vorlesungen im Rahmen des Studienmoduls
„Rasentechnologie“ in Verbindung mit Exkursionen im Bereich Rasen- und
Grünflächenmanagement angeboten.
Als Förderer dieser Forschungseinrichtung unterstützt die Deutsche Rasengesellschaft
insbesondere Fragen zur Beurteilung der Sorteneigenschaften.
Gerade für den Golfbereich dürfte der laufende Sortenversuch mit verschiedenen Sorten
des Weißen Straußgrases Agrostis stolonifera und einigen Sorten der Art Agrostis canina
(Sumpf-Straußgras) von großem Interesse sein. Über mehrere Jahre sollen unter
Tiefschnittbedingungen verschiedene Faktoren, wie Narbendichte, Krankheitsanfälligkeit
oder das Konkurrenzverhalten untersucht werden.
Abb.1: Versuchsanlage an der RFH Hohenheim zur Beurteilung des
ortenspektrums bei verschiedenen Agrostis-Arten. (Foto: Morhard)
Mit diesem Versuch können zukünftig Fragen der Standorteignung bestimmter Sorten,
aber auch Einflüsse durch das Pflegemanagement besser beantwortet werden. Gerade die
Leistungen der neuen Sorten, wie Penn A-4 oder Penn G-2, werden von vielen
Greenkeepern mit wachsendem Interesse diskutiert.
| Agrostis stolonifera | Agrostis canina |
| Bengal | Avalon |
| L 93 | Cansas |
| Penn A-1 | Greenwich |
| Penn A-2 | Licanina |
| Penn A-4 | |
| Penncross | |
| Penn G-2 | |
| Providence |
Tab 1: Ausgewählte Sorten aus dem Artenspektrum Agrostis stolonifera und Agrostis canina
für die Prüfung unter Tiefschnittbedingungen eines Golfgrüns.
Der Sommer 2003 zeigte für viele Rasenflächen die Grenzen des Überlebens bei extremen
Temperaturen für die Gräser der kühlen Klimate auf. Vor diesem Hintergrund sind die
Untersuchungen zur Eignung bestimmter Reinsaaten zur Nachsaat in bestehende Flächen
von großem Interesse.

Abb. 2: Nachsaatversuch zur Umwandlung eines trockenheitsgeschädigten Rasenbestandes mit unterschiedlichen
Gräserarten. (Foto: Morhardra)
Altbestände (7 Jahre)
|
Nachsaatvarianten
|
Durch die Nachsaat mit Lolium perenne konnte unabhängig vom Ausgangsbestand
ein rascher Narbenschluss erreicht werden (Abbildung 2, Parzellen mit höherer
Narbendichte).
Die Gräserarten der heimischen Rasenflächen zählen zu den C3-Pflanzen, im Gegensatz
zu
den C4-Gräsern der warmen Klimate, wie beispielsweise das Bermudagras (Cynodon
Dactylon).
Abb.
3. Zielsetzung der Vegetationsversuche mit Bermudagras (Cynodon dactylon) (Foto: Morhard)
Der experimentelle Umgang mit dieser Grasart am Standort Stuttgart Hohenheim diente
zunächst als „Tastversuch“, um die Grenzen der Leistungsfähigkeit unter Winterbedingungen
zu ergründen. Der Sommer 2003 bescherte eine interessante Gräserblüte und selbst
der
nachfolgende Winter konnte die Gräser nicht zum Absterben bringen; denn nach der bekannten
Winterdormanz, trat eine Wiederergrünung bei wärmeren Temperaturen im
Frühjahr ein.
Abb. 4: Beobachtung des Dormanzverhaltens verschiedener C4-Gräser, Beginn der Winterruhe nach
ersten Frostnächten. (Foto: Morhard)
Über die Ergebnisse der Forschungsarbeiten und die weiteren Aktivitäten der RFH wird u.a. in der Zeitschrift Rasen-Turf-Gazon, dem Veröffentlichungsorgan der Deutschen Rasengesellschaft, berichtet.
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