Die Funktionstüchtigkeit eines Rasensportplatzes hängt maßgeblich vom Pflegeprogramm
ab. Wie bereits erwähnt steht die Pflegeintensität im Verhältnis zur Benutzungsintensität.
Auswirkungen starker Belastungen sind u.a.:
Damit diese negativen Veränderungen nicht zu Rasenschäden führen, gilt es, rechtzeitig
mit den geeigneten Maßnahmen zu beginnen.
Zur Abgrenzung der Pflegeintensitäten bieten sich folgende Stufen an.
Pflegestufen (Intensitäten)

Bei der Schnitthöhe von 3-4 cm können sich bei den Spotrasengräsern Lolium perenne
und Poa pratensis ausreichende Wurzeln entwickeln, im Gegensatz zu einem ständigen Tiefschnitt,
der eher die unerwünschte, flachwurzelnde Grasart Poa annua (Jährige Rispe) fördert.
Ebenso verringern häufige, kleine Beregnungsgaben in der Regel die Durchwurzelungstiefe der
Gräser.
Der "Wachstumsmotor" Stickstoff (N) sollte für die Strapazierrasengräser in
mehreren Gaben möglichst als Langzeitdünger verabreicht werden.
Bei der Benutzung eines Rasenplatzes durch Trainings- und Punktspielbetrieb reicht die erwähnte
Grundpflege nicht mehr aus. Hier wird der Einsatz von mechanischen Maßnahmen zur Optimierung
der Rasennarbe erforderlich.
Mit dem Vertikutieren entfernt man abgestorbene Pflanzenteile, die sich zum Rasenfilz auf der Bodenoberfläche
angereichert haben.
Der Gasaustausch im Boden wird durch Aerifiziermaßnahmen gefördert, gleichzeitig lässt
sich bei bindigen Bodenarten ein Bodenaustausch vorbereiten.
Die Stabilisierung der Rasentragschicht (RTS) durch geeignete Besandungsmaßnahmen zählt
zu den regelmäßigen Erhaltungsmaßnahmen.
In der dritten Stufe werden in Abhängigkeit vom Platzzustand nachhaltige Regenerationsmaßnahmen
durchgeführt.
Eine Tiefenlockerung mit dem Vertidrain-Gerät führt nachweislich zur Erhöhung der
Durchlässigkeit und zur Optimierung der Durchwurzelung.
Eine Verbesserung des Pflanzenbestandes erreicht man durch Nachsaat mit leistungsfähigen Sorten
aus dem Angebot der strapazierfähigen Art Lolium perenne
Die Stimulierung des Wurzelwachstums läßt sich durch geeignete Nährstoffe und die
Einarbeitung von Bodenhilfsstoffen zusätzlich fördern. Wurzeln vernetzen und stabilisieren
den Boden und schützen ihn dauerhaft
Der Rasenschnitt zählt zu den wichtigsten Pflegemaßnahmen zur Erreichung einer angestrebten
Rasenqualität. Bei regelmäßiger Schnittführung werden Narbendichte und Gesamtaspekt
durch Bestockung und Ausläuferbildung gefördert.
Die Gräserarten reagieren unterschiedlich auf Schnitthöhe und Schnitthäufigkeit.
Zur Förderung der im Sportplatz erwünschten Arten Lolium perenne und Poa pratensis ergibt
sich eine optimale Schnitthöhe von 3 - 4 cm.
Bei Unterschreiten dieser Schnittlinie werden die genannten Arten in der Entwicklung deutlich geschwächt
und die unerwünschte Grasart Poa annua gewinnt höhere Anteile im Pflanzenbestand, da sie
eher tiefschnittverträglich ist.
Tabelle: Schnittzahl, Aufwuchs- und Schnitthöhe in der Vegetationsperiode
| Rasentyp | Schnittzahl März - November |
Schnitthöhe in mm | Aufwuchshöhe in mm |
| Hockeyrasen | 30 - 50 | 10 - 20 | 40 - 60 |
| Fußballrasen | 25 - 45 | 30 - 45 | 60 - 90 |
| Bolzrasen | 15 - 25 | 40 - 50 | 80 -100 |
| Liegewiese | 10 - 20 | 35 - 45 | 70 - 90 |
Die Schnitthäufigkeit ist abhängig von der Artenzusammensetzung, der Rasenfunktion, der
Nutzungsintensität verbunden mit den spieltechnischen Anforderungen und den Witterungseinflüssen.
Der Schnittzeitpunkt sollte sich am Wachstum der Gräser orientieren, wobei durch den Schnitt
maximal die halbe Aufwuchshöhe entfernt wird. Die s.g. "Drittelregel" bedeutet, dass
nur ein Drittel des Aufwuchses entfernt wird, damit eine hohe Narbendichte und ein optimaler Rasenaspekt
erreicht werden. So wird ein Rasen bereits bei 6 cm Aufwuchs auf 4 cm gemäht werden.
Der Gerätemarkt bietet vielfältige Maschinen als Spezialmäher oder als Anbaueinheiten
für Universalschlepper an.
Grundsätzlich gilt für alle Rasenmäher zur Erreichung eines akzeptablen Schnittbildes,
die Schneidwerkzeuge regelmäßig zu schärfen.
Bei der Auswahl eines Mähsystem für den Sportrasen ergeben sich folgende Kriterien:
Spindelmäher
Sichelmäher
Bedingt durch die Bauweise von normgerechten Sportrasenplätzen ist eine Zusatzbewässerung
während der Vegetationsperiode unumgänglich.
Beim Bau von intensiv genutzt Sportanlagen werden leistungsstarke Beregnungssysteme (Versenkregneranlagen)
eingebaut.
Daneben kommen mobile Beregnunganlagen mit meist geringerer Kapazität zum Einsatz.
Zur Ermittlung des geeigneten Beregnungszeitpunktes bedarf es einer aufmerksamen Beobachtung vor
Ort. Grundsätzlich sollte die natürliche Niederschlagsmenge erfasst werden. Daneben liefert
ein Ausstich des Bodenprofils gute Hinweise auf den Feuchtegehalt
Sobald in Trockenperioden die Fußabdrücke im Rasen über einen längeren Zeitraum
sichtbar bleiben, sollte die Beregnung gestartet werden. Als spätester Termin gilt der Beginn
der Rasenwelke.
Eine optimale Terminbestimmung erfolgt durch im Boden eingebaute Feuchtemesser (z.B. Tensiometer).
Starke Sonneneinstrahlung und kräftiger Wind verringern die Beregnungseffizienz durch Verdunstung
und Abdrift. Die sehr frühen Morgenstunden haben sich in der Praxis als Termin bewährt.
Durch ein gezieltes Beregnungsregime lässt sich die Artenzusammensetzung eines Rasenbestandes
nachhaltig beeinflussen. In der nachfolgenden Tabelle wird der Wasserbedarf der verschiedenen Arten
dargestellt.
Tabelle: Einstufung des Wasserbedarfs der wichtigsten Rasengräser-Arten

Zur Ermittlung der Beregnungsmenge gilt die Regel, dass der Wurzelhorizont durchfeuchtet sein
sollte. Je nach Bodenart und Aufbaustärke ergibt sich daraus eine Wassermenge von 15 - 25
l/m².
Tabelle: Ermittlung des Wasserbedarfs für die Beregnung (in l/m²/Jahr)
| Standort | Norm bodennah Baugrund Sand/Kies | Norm bodennah Baugrund Lehm/Ton | Norm Dränsch.-Aufbau | Oberboden humusarme Sandböden | Oberboden tiefgründ. Lehmböden |
| Trockene Lage <700mm | 200 | 150 | 250 | 250 | 150 |
| Mittlere Lagen 700-900mm |
100 | 75 | 150 | 150 | 75 |
| Niederschlagsreiche Lagen >900mm | 0 | 0 | 50 | 50 | 0 |
| Quelle: Bundesinstitut für Sportwissenschaft, 1994 | |||||
Zu- und Abschläge nach Nutzungs- und Standortbestimmungen möglich.
Der tägliche Wasserbedarf eines ausreichend versorgten Rasensportplatzes steht in einem engen
Verhältnis zur Verdunstungsrate in Abhängigkeit von der Tagestemperatur. Eine mittlerer
Wasserverbrauch liegt bei ca. 2,5 l /m² /Tag, er kann jedoch bei Temperaturen von 30° C
auf 5 l / m² / Tag ansteigen.
Aus dieser Situation ergeben sich für die Praxis während der Sommermonate variable Beregnungsintervalle
von 3 - 14 Tagen.
Die Notwendigkeit zur Düngung von Rasensportplätzen ist unter fachlichen Gesichtspunkten
unumstritten. Bei der Festlegungung des jeweiligen Düngeplanes spielen jedoch eine Reihe von
Faktoren eine wichtige Rolle; damit eine angemessene Nährstoffversorgung der Gräser gewährleistet
ist.
Bodenuntersuchung zur Festlegung der Nährstoffmenge
Bei der gleichmäßigen Anlieferung der Nährelemente an die Gräserwurzeln spielt
der Boden eine ausgleichende Rolle. Je nach Speicherkapazität (Kationenaustauschkapazität
KAK) des Substrates sollten entsprechende Mengen der Hauptnährstoffe in pflanzenverfügbarer
Form vorliegen. Der Boden wird somit zum Nährstoff-Pool.
Schematische Darstellung des Nährstoffangebotes im Boden

Die anzustrebenden Gehaltsstufen werden durch Bodenanalysen ermittelt und anhand von Richtwerten
für die jeweilige Bodenart eingestellt (s.Tab.)
Nährstoffvorräte in Rasenböden
Empfehlungen für die Grundversorgung
| Phosphat P2O5 | Kali K2O | Magnesium Mg | |
| Herkömmliche Böden | 10-20 | 15-25 | 7-12 |
| DIN-Aufbau Sand | 7-12 | 10-15 | 5-10 |
| Angaben in mg/100g Boden | |||
Der Hauptnährstoff Stickstoff (N) fördert nicht nur das oberirdische Blattwachstum sondern
sorgt auch bei angemessener Dosierung für eine Erhöhung der Wurzelmasse und des Wurzelhaarbesatzes.
Der N-Bedarf der Gräser ist abhängig von der Grasart. So liegt die Jahresmenge je nach
Standortbedingungen (Vegetationszeit) für die Sportrasengräser Lolium perenne (Deutsches
Weidelgras) und Poa pratensis (Wiesenrispe) bei etwa 25 bis 30 g Rein-N/m².
Gerade bei Rasensportplätzen spielt die Benutzungsintensität eine weitere Rolle bei der
Festlegung der Jahres-Stickstoffmenge.
In der Empfehlung des Bundesinstitut für Sportwissenschaften werden für die verschiedenen
Belastungsstufen angepasste Jahres-Stickstoffmengen angegeben.
| Stickstoff-Regelbedarf | g/m² pro Jahr |
| Belastung gering (bis 15 Std. / Woche) | 15 |
| Belastung mittel (15 - 20 Std. / Woche) | 20 |
| Belastung hoch ( > 20 Std. / Woche) | 25 |
Zuschläge sind möglich bei
Gelegentlich geäußerte Bedenken bezüglich einer möglichen Gefahr der Nitratverlagerung durch Düngung sind unter Rasenflächen bei sachgerechter Anwendung unbegründet. Verschiedene Untersuchungen haben belegt, dass bei den genannten Aufwandmengen (bis 40 g Rein-N/m²) keine Gefahr besteht. Ein wichtiger Einflussfaktor ist hier sicherlich die N-Form und der Düngungstermin.
Der Rasen als Dauerkultur erwartet während der Vegetationszeit eine weitgehend gleichmäßige
Nährstofversorgung. Der Bedarf lässt sich durch zahlreiche kleine Gaben mit Mineraldüngern
oder durch spezielle Rasendünger decken, die mit einem entsprechenden Anteil an N-Langzeitwirkung
ausgestattet sind.
Bei diesen sogenannten Kondensationsprodukten liegt der Stickstoff zunächst in einer nicht
pflanzenverfügbaren Form vor (z.B. Isodur, Methylenurea oder Ureaform).
Bei der Bewertung der Dünger kommt es auf den Anteil des wertbestimmenden Langzeit-Stickstoff
an, der im Labor als heißwasserlöslicher, aber kaltwasserunlöslicher Stickstoff
definiert wird.
Die zweite Gruppe der Langzeitdünger stellen die umhüllten Produkte dar. Hier wird die
Freisetzung der Nährstoffe auf physikalischem Wege gesteuert. Qualitäts- und Wirkungsunterschiede
sind von der jeweiligen Hüllsubstanz und dem Anteil der umhüllten Körner zu erwarten.
Grundsätzlich werden Schwefel umhüllte (SCU) und Polymer umhüllte Dünger (PCU)
unterschieden. Die Bewertung der Dauerwirkung erfolgt in der Regel über die Ermittlung der
N-Freisetzungsraterate nach einer definierten Zeitspanne.
Bei der neuen Generation des Düngemitteltyps "teilumhüllter Dünger" nutzt
man den hohen Qualitätsstandard der polymerumhüllten Produkte (semipermeabele Membran)
wie sie aus dem Gartenbau bekannt sind, indem anteilmäßig umhüllte und nicht umhüllte
Düngerkörner gemischt werden. (Beispiele hierfür liefert die Rubrik "Angebote")
In Abhängigkeit von der geplanten N-Menge sollten die übrigen Hauptnährstoffe für
den Sportrasen in folgendem Verhältnis unter Berücksichtigung des Bodenvorrates gedüngt
werden:
| N : P2O5 : K2O : MgO = 1 : 0,3 : 0,5-0,8 : 0,2 |
| Beispiel: Ziel 28 g/m² Rein-N bedeutet:=> 8 g/m² P2O5 => 14 g/m² K2O => 6 g/m² MgO |
Bei der praktischen Umsetzung der Rasendüngung gewinnt der Düngetermin eine besondere
Bedeutung.
Zeitpunkte, Anzahl und Höhe der Düngung richten sich vorrangig nach Art, Nutzung und Ansprüche
an die Rasenqualität. Darüber hinaus sollte der biologische Wachstumsrhythmus der Gräser
berücksichtigt werden.
Je nach Standortbedingungen verschieben sich die exakten Termine für die Startdüngung
im März / April sowie die Erhaltungsdüngungen im Juni und August innerhalb einiger Wochen.
Tabelle: Beispiel eines Düngeplanes für Rasensportplätze N-Basis ca. 25 g
Rein-N / m²
| Termin | Düngerart | Düngermenge g /m² | N-Menge g / m² |
| Startdüngung März / April |
NPK-Dünger 28+5+15 | 35 | 8,4 |
| Erhaltungsdüngung Juni |
NPK-Dünger 20+5+10 | 30 | 6 |
| Erhaltungsdüngung August |
NPK-Dünger 20+5+10 | 30 | 7 |
| (Spätherbstdüngung) Oktober / November |
NK-Dünger 14+0+19 |
25 | 3,5 |
Eine mögliche Spätherbstdüngung mit einem Kali betonten Dünger kann an geeigneten
Standorten (geringe Schneeerwartung) durchaus ab Mitte Oktober bzw. Anfang November erfolgen.
Bei diesem Plan wird die größere N-Menge in der ersten Jahreshälfte verabreicht.
Ausgleichsdüngungen mit Kali und Magnesium können im Frühjahr oder Spätsommer
appliziert werden.
Ein guter Rasensportplatz zeichnet sich durch einen hohen Deckungsgrad mit einer entsprechenden
Narbendichte aus. Für die Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Gräser spielt gerade
der die Nährstoffversorgung eine dominante Rolle.
Mangelsituationen führen nachhaltig zu Qualitätseinschränkungen des Sportrasens.
Tabelle: Jährlicher Nährstoffbedarf von Sportrasenflächen in Abhängigkeit von der Belastungsintensität
| Belastungs-Stufe | Bedarf g/m² N |
Bedarf g/m² P2O5 |
Bedarf g/m² K2O | Bedarf g /m² MgO |
| Hoch | 32 - 36 | 10 | 18 -30 | 6 |
| Mittel | 24 - 32 | 8 | 12 - 24 | 4 |
| Niedrig | 18 - 24 | 6 | 10 - 18 | 3 |
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