Autor: Dr. Klaus Müller-Beck, Vorsitzender Deutsche Rasengesellschaft
Prinzipiell sollte der Rasen möglichst frühzeitig im Frühjahr gedüngt werden;
denn die Wurzelaktivität startet vor dem oberirdischen Ergrünen. Soll der Rasen auch mechanisch
mit dem Vertikutierer bearbeitet werden, so sollte das frühestens zwei Wochen nach der Düngung
erfolgen. Die Gräser nehmen die Nährstoffe direkt auf und sind somit gut gerüstet,
Seitentriebe zu bilden, so dass die „Schäden“ nach dem Vertikutieren rasch
verheilen. Je früher eine Startdüngung im Frühjahr ausgebracht werden kann (abhängig
vom Witterungsverlauf), desto zeitiger kann mit dem Vertikutieren begonnen werden.
Narbendichte lässt sich somit durch Vertikutieren fördern!

Abb. 1:
Vertikutiermesser mit weitem Abstand

Abb. 2:
Exakte Tiefeneinstellung bei Vertikutiermaßnahme ist wichtig
Oft wird zu früh, zu tief und zu intensiv mit den rotierenden Messerwerkzeugen des Vertikutierers gearbeitet. Der Eingriff der vertikal schneidenden Messer in eine Rasennarbe klingt drastisch und lässt starke Verletzungen an den Gräsern vermuten. Tatsächlich kommt es bei falsch genutzten Geräten und Werkzeugen zu eindeutigen Schädigungen an der Rasennarbe, die sich bei kühlen Temperaturen erst langsam auswachsen können.
Aus dieser Tatsache lässt sich jedoch nicht ableiten, dass fachgerechtes Vertikutieren von Rasenflächen grundsätzlich überflüssig sei.

Abb. 3:
Leichtes Vertikutieren zur Entfernung von abgestorbenen Pflanzenteilen bei guter N ährstoffversorgung
des Rasens

Abb. 4:
Unsachgem äße Vertikutierer-Einstellung verursacht Schäden an
der Rasennarbe
Die Narbendichte spielt eine herausragende Rolle bei der Bewertung und Beurteilung der Rasenqualität.
Narbendichte eines Rasens entsteht durch die Anzahl der Triebe/m², wobei die Einzelpflanzen
neben dem Haupttrieb zahlreiche Seitentriebe bilden (bis zu 12 pro Pflanze), diesen Vorgang nennt
man Bestockung.
Mit dem sachgerechten Vertikutieren wird nicht nur abgestorbenes Pflanzenmaterial entfernt sondern
darüber hinaus werden die Gräser zur Bestockung angeregt. Die Pflanzen werden durch das
vertikale Anritzen zur Bildung von neuen Seitentrieben stimuliert. So entsteht bei guter Nährstoffversorgung
nach dem Vertikutieren ein dichter, kompakter Rasen. Diese Maßnahme ist besonders erfolgreich
bei entsprechenden Wachstumsbedingungen mit der nötigen Temperatur (z.B. im April/Mai) und
bei ausreichender Nährstoffversorgung!
Vertikutiermesser arbeiten in der Rasennarbe aber nicht im Boden!
Bei einem aktiven Rasenboden gelingt es den Mikroorganismen oft, die organische Substanz des Rasenfilzes zu verarbeiten (mineralisieren), dann kann sogar auf das Vertikutieren im Frühjahr verzichtet werden. Unter derartigen Bedingungen reicht es, den Rasen mit einem Fächerbesen von braunen (abgestorbenen) Pflanzenresten zu befreien.
Hat sich jedoch ein deutlicher Horizont (> 10 mm) als Rasenfilz entwickelt, dann sorgt das Vertikutieren für eine mechanische Verringerung dieser Schicht, bei gleichzeitiger Förderung des Sauerstoffgehaltes in der Rasennarbe zur Unterstützung der Mikroorganismen.
« zurück
Archiv-Meldungen:
Ältere Meldungen finden Sie in unserer Rubrik "Aktuelles".
Archiv öffnen