Autor: Dr. Klaus Müller-Beck, Vorsitzender Deutsche Rasengesellschaft
Für die interessierten und nach Maintal angereisten DRG-Mitglieder sollte die Thematik „Klima und Wachstumsfaktoren für Rasengräser: Status quo, Änderungen und Einflussmöglichkeiten“, aus unterschiedlicher Sichtweise aufgearbeitet werden.
Durch die Wahl der Referenten war gewährleistet, dass sowohl Grundlagen als auch Modellbetrachtungen zur Klimaentwicklung ausgiebig dargestellt und intensiv diskutiert werden konnten.

Abb. 1:
Die Referenten des 110. DRG-Rasenseminars in Maintal
am 20. Januar 2010:
„Der Klimawandel aus astronomischer Sicht“
Prof.em.Dr. Johannes Feitzinger, Ruhr-Universität, Bochum”Aktueller Stand der Klimaforschung in Mitteleuropa“
Dipl.-Met. Gudrun Schlaf, DWD, Offenbach„Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft in Mitteleuropa“
Dr. Frank Eulenstein Leibniz-Zentrum für Agrarlandforschung, Müncheberg„Klimatische Herausforderungen: Ziele, Möglichkeiten und Grenzen der Gräserzüchtung“
Dr. Fred Eickmeyer, Saatzucht Steinach, Steinach„Wachstumssteuerung von Rasengräsern“
Gerard van’t Klooster, stadium Grow Lighting, NL- Waddinxveen
Für die DRG-Mitglieder stehen Handouts zu allen Vorträgen im Internen-Bereich zum Download bereit.
In den Medien wird der Klimawandel verstärkt kontrovers diskutiert.
So provozierte der „FOCUS-Titel“ vom 11. Januar 2010 mit der Headline, „Forscherstreit:
Fällt die Klima-Katastrophe aus?“ Genau in diese Richtung orientierten sich die Ausführungen
von Prof. Johannes Feitzinger, der besonders auf die Sonnenaktivität bei der Betrachtung der
Klimaentwicklung einging.
Noch deutlicher zeigten die Veröffentlichungen von Henryk M. Broder im Rheinischen Merkur vom
17.12.2009, in welcher kontroversen Diskussion die Fachwelt derzeit steckt, Zitat:
„Wir erleben derzeit eine Epidemie des Wahnsinns, der sich als Vernunft geriert. Mit Zahlen
belegt, wissenschaftlich untermauert und von der Überzeugung beseelt, dass die Apokalypse vor
der Tür steht.“ „ Das Zauberwort, mit dem der Wahnsinn sich epidemisch verbreitet,
heißt CO2 – Kohlendioxid. Eine Substanz, die überall in der Natur vorkommt.
Wenn alle miteinander die Luft anhalten und nicht atmen, leisten wir einen Beitrag zur Rettung der
Welt. Und wenn wir jetzt auch noch die über eine Milliarde Kühe weltweit dazu bringen,
kurz die Verdauung einzustellen, könnte auch der Methangasausstoß erheblich zurückgeschraubt
werden. Methan ist etwa 20-mal schädlicher als CO2“.
Die wichtige Feststellung bei H.M. Broder lautet:
„Das anthropogene, also von Menschen verursachte CO2, macht ein bis drei Prozent des gesamten
freigesetzten CO2 auf der Erde aus. Wir könnten also den Flugverkehr komplett einstellen, alle
Autos, Rolltreppen und Aufzüge stilllegen, auf den Gebrauch von Bügeleisen, Waffeleisen
und Schuhputzautomaten verzichten und hätten noch immer 97 bis 99 Prozent CO2 in der Atmosphäre“.
Vor diesem Hintergrund waren die Ausführungen von J. Feitzinger zur Betrachtung des Klimawandels
aus astronomischer Sicht besonders spannend und für die meisten Teilnehmer sehr beeindruckend
bezüglich der Bewertung der „relevanten Klimagase“.
So stellte J. Feitzinger bei seinen Ausführungen fest:
„Es ist nicht möglich, experimentell und statistisch nachzuweisen, dass der Anstieg
des CO2-Gehaltes der Luft, die Hauptursache der im 20. Jahrhundert registrierten leichten Erhöhung
der globalen Durchschnittstemperatur ist.“
Unter Berücksichtigung der extremen Zeitepochen der Entwicklungsgeschichte schloss
J. Feitzinger seine Betrachtungen mit dem Hinweis.
„Das irdische Klima ist ein höchst komplexes Verbundsystem. Die Sonne als Energiequelle
ist ein wesentlicher Steuermechanismus. Inwieweit menschliche Einflüsse das langzeitliche Klimageschehen
beeinflussen, ist in Andeutungen klar, endgültig ist jedoch noch keine Prognose möglich“.
Der Klimawandel muss als Ergebnis der Überlagerung von natürlichen und anthropogenen Einflüssen
verstanden werden.
In Ihren Ausführungen ging Gudrun Schlaf, vom Deutschen Wetterdienst, ganz besonders auf Messreihen und Modellrechnungen mit unterschiedlichen Annahmen ein. Grundsätzlich lassen sich bei der Auswertung statistischer Daten für Temperatur oder Niederschlagsmengen die Feststellungen ableiten, dass sowohl Veränderungen bei den mittleren Verhältnissen als auch Veränderungen bei den Extremwerten eingetreten sind.
Bei der Erstellung von Klima-Modellen gehen unzählige Messwerte und zahlreiche Prognosen in
die Berechnungen ein, so dass verschiedenartige Klimaprojektionen = Szenarien für die Zukunftsbeurteilung
entwickelt werden (IPCC-Szenarien, Intergovernmental Panel of Climate Change).
Gudrun Schlaf ging bei Ihren Erläuterungen besonders auf regionale Klimaveränderungen
ein.

Abb. 2:
Regionale Klimaprojektionen nach DWD aus Vortrag Gudrun Schlaf, 110. DRG-Rasenseminar in Maintal
Bei seinen Betrachtungen setzte sich Dr. Frank Eulenstein mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Landswirtschaft in Mitteleuropa ein. Dabei liegt ein Forschungsschwerpunkt des Leibnitz-Zentrums für Agrarlandforschung, Müncheberg, in der Abschätzung der Auswirkungen auf die klimatische Wasserbilanz, die Stoffkreisläufe und die Erträge. Die eingesetzten Modelle zeigen sehr gute Übereinstimmungen zu den ermittelten Messergebnissen.
Weitere Details werden in einem Aufsatz der Zeitschrift European Journal of Turfgrass Science, Ausgabe 1-2010, vertieft.

Abb. 3:
Simulationsmodelle zur Erfassung der Auswirkungen des Klimawandels auf die landwirtschaftliche Nutzung,
Vortrag F. Eulenstein, 110. DRG-Rasenseminar, Maintal
Die Konsequenzen des Klimawandels für die Entwicklung der Rasengräser konnte Dr. Fred Eickmeyer aus der Sicht der Züchtung anschaulich darstellen.
Bei den Herausforderungen durch die Klimaveränderungen nannte er beispielsweise Kriterien wie: neue Krankheiten, stärkere Epidemien oder Verschiebung des Konkurrenzverhaltens der Arten in einer Mischung. Als Antwort der Züchtung sieht Eickmeyer neue Zuchtziele und eine Verschiebung der Arbeitsschwerpunkte. So nannte er Eigenschaften wie Hitzetoleranz, ausgeprägtes Wurzelsystem, erhöhter Gehalt an Osmotica oder wassersparende Blattmorphologie (Cuticula), die zukünftig im Focus der Züchtung stehen werden.

Abb. 4:
Neue Arbeitsschwerpunkte in der Gräserzüchtung als Reaktion auf die Klimaveränderungen,
Vortrag Fred Eickmeyer, 110. DRG-Rasenseminar, Maintal
Mit ganz konkretem Datenmaterial untermauerte Gerard van’t Klooster seinen Beitrag zum Thema Wachstumssteuerung bei Rasengräsern. Temperatur, Lichtenergie und CO2-Gehalte sind maßgebliche Kriterien zur Steuerung des Gräserwachstums bei den eingeschränkten Bedingungen eines Stadionrasens. Für einen effektiven Einsatz der künstlichen Belichtung des Rasens müssen beispielsweise Parameter wie Lufttemperatur, Blatttemperatur und Luftfeuchtigkeit bekannt sein. Der Wert für den Wasserdampfdruck-Defizit (VPD = vapor pressure deficit) drückt diese Beziehungen aus. So konnte G.v.Klooster ermitteln, dass ein VPD von 0,5 bis 2,7 kPa optimal für das Gräserwachstum eingestuft werden kann. Steigen die Werte über 2,8 kPa (niedrige Luftfeuchtigkeit und hohe Temperatur) so führt das zu Stress-Situationen für die Gräser.
Wachstumsmodelle für Stadionrasen dienen der Unterstützung bei der Entscheidung wichtiger Pflegemaßnahmen zur Optimierung der Narbendichte in der Arena. Die Umsetzung und Realisierung der Maßnahmen erfolgt immer durch den Greenkeeper.
Abb. 5:
Entwicklung der Narbenqualität eines Stadionrasens in Abhängigkeit des Pflege- und Energieaufwandes,
Vortrag G.v.Klooster, 110. DRG-Rasenseminar, Maintal
Aus den Perspektiven der jeweiligen Referenten ergab sich bei der Betrachtung des Klimawandels
ein breites Bild. Von einer „Klima-Katastrophe“ wollte niemand mehr sprechen; denn fundierte
Hinweise auf die erdgeschichtliche Entwicklung im Sonnensystem machten für jeden Seminarteilnehmer
klar, dass die Sonne als Motor und Energiespender immer einen erheblichen Einfluss auf das Klima
genommen hat.
Die Anpassung an die Klimaveränderungen stellt die eigentliche Herausforderung für die
Natur dar. Modellbetrachtungen wie das „urbane Klimamodell“ oder „Wachstums-Steuerungsmodelle“ zur
Pflege von Stadionrasen können nur Hilfestellung bei der Einschätzung der zu erwartenden
Veränderungen leisten. Schlussfolgerungen und Konsequenzen müssen jedoch vom Menschen
gezogen.
Weitere Informationen siehe Zeitschrift European Journal of Turfgrass Science und im Login-Bereich für DRG-Mitglieder.
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