Autor: Dr. Klaus Müller-Beck, Vorsitzender Deutsche Rasengesellschaft
Auch
das diesjährige DRG-Frühjahrsseminar hatte wieder über 70 Teilnehmer aus Österreich,
der Schweiz, den Niederlanden und Deutschland vom 27.-28.4.2009 zum Tagungsort nach Hamm / Westf.
gelockt. Mit der Thematik „Bodenleben – Entwicklungen unter der Grasnarbe“ stand
erstmalig der Wurzelraum eines Rasensystems im Mittelpunkt der fachlichen Auseinandersetzung. Da
am Seminartag auch die Jahresmitglieder-versammlung abgehalten wurde, gab es Zeit für drei
interessante Referate.
Es wurde sehr schnell deutlich, dass ein Großteil der Teilnehmer bisher nur wenig Erfahrungen
mit der Bodenbiologie machen konnte.
Diskussions-Forum:

Die Referenten des 108. DRG-Rasenseminars in Hamm am 28. April 2009:
v.li.: Dr. Klaus Müller-Beck (Moderator), Dr. Gerhard Lung, Frau Dr. Rita Grosch, Dr.
Fritz Lord
In seinen Ausführungen stellte Dr. Fritz Lord heraus, dass die Erkenntnisse und Untersuchungen zur Mikrobiologie des Bodens keineswegs neu seien, aber Anwendungen und Wirkungsnachweise für die Rasenkultur erst in jüngerer Zeit genutzt würden.
Foto: K.G. Müller-Beck |
Definition Rhizosphäre nach
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Wirkungsbedingungen für Nutzorganismen im Mikrohabitat Rhizosphäre
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Die Bodenorganismen übernehmen ein breites Spektrum an Aufgaben, wie beispielsweise die Bioturbation,
die Transformation organischer und anorganischer Stoffe oder
symbiotische, parasitische und allelopathische Beziehungen zu Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen.
Aus diesem Grunde kommt es darauf an, so Fritz Lord, dass die Mikroorganismen in ihrem Habitat optimale
Bedingungen für Wachstum und Vermehrung finden, ein wesentlicher Faktor ist dabei die gute
Durchlüftung des Bodens mit einem ausreichenden Sauerstoffgehalt.
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Wechselwirkung zwischen Mikroorganismen und den Pflanzen erläutere Frau Dr. Rita Grosch sehr anschaulich an einigen Beispielen der Bakterien.

Vortrag Dr. Rita Grosch
Hohe Mikrohabitat-Spezifität der bakteriellen Mikroflora
Hohe Ähnlichkeit der Antagonistenpopulation in Rhizosphäre und Endorhiza
Vortrag Dr. Rita Grosch
Durch moderne Analysemethoden ist es möglich, Differenzierungen und Wirkmechanismen aufzuspüren. Dabei sind Prüfungen des antagonistischen Potenzials in Dualkulturen gegenüber verschiedenen Pflanzenpathogenen von großer Bedeutung für die Einschätzung von biologischen Kontrollmaßnahmen.
Die Verwendung von nützlichen Mikroorganismen zur Unterstützung und Optimierung der Keimbedingungen
von Rasengräsern stand im Mittelpunkt der Ausführungen von
Dr. Gerhard Lung. Er zeigte die verschiedenen derzeit verfügbaren Verfahren an einigen Beispielen
auf. So erläuterte er die Saatgutbehandlung mit nützlichen Bakterien
„Proradix Turf“. Hierbei handelt es sich um ein ausgesuchtes Isolat des Bakterienstammes
Pseudomonas sp. Proradix Turf (lat.: pro radice = für die Wurzel) baut über eine Vielzahl
von Wirkungsmechanismen einen Schutz gegen bodenbürtige Schadpilze auf.
Zusätzlich werden die pflanzeneigenen Abwehrkräfte mobilisiert und stärken dadurch
das Immunsystem der Pflanzen.
Die Saatgutbehandlung mit Headstart zur Keimbeschleunigung basiert auf einer Samenstimulanz durch
Hormone (Cytokinine), Keimfördernde Enzyme und weitere Biostimulantien.
In der abschließenden Forums-Runde wurde sehr deutlich, dass es sich beim Einsatz von Mikroorganismen immer um lebende Organismen handelt, die auf ungünstige Standortbedingungen sehr sensibel reagieren können. Zur Nutzung der Wirkmechanismen sind Kenntnisse über die Lebensbedingungen und wiederholte Anwendungen zur Etablierung der Nutzorganismen besonders förderlich. Grundsätzlich sollten alle übrigen Pflegemaßnahmen optimiert werden, da Mikroorganismen nicht als Ersatz sondern als Ergänzung zum Pflegeregime gesehen werden müssen!
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