Autor: Dr. Klaus Müller-Beck, Vorsitzender Deutsche Rasengesellschaft
Mit 80 Teilnehmern aus Österreich, der Schweiz, Niederlande und Deutschland war das 106. Rasenseminar
der Deutschen Rasengesellschaft (DRG) erfreulich gut besucht; denn das Tagungsthema „Regel-Saatgut-Mischungen“ erschien
doch eher für die Spezialisten in der Branche zugeschnitten zu sein.
Die Kombination aus den Erfahrungen bei der Anwendung von RSM-Mischungen sowie die Präsentation
verschiedener Ergebnisse aus der Arbeit des Bundessortenamtes zeichnete die Veranstaltung aus. Gerade
die Diskussion bezüglich der Verwendung von RSM-Mischungen mit den Kollegen der Fertigrasen-Produzenten
zeigte Grenzen und Chancen beim Einsatz bestimmter Mischungen auf.
Das abwechslungsreiche Exkursionsprogramm führte die Teilnehmer zunächst nach Pattensen
zur Besichtigung des „Rasenland“ Betriebes Pattensener Rasenschule.
Auf einer Anbaufläche von ca. 50 ha wird auf homogenen, steinfreien Böden Rollrasen produziert.
Die Gesamtfläche lässt sich durch eine Center-Pivot Anlage automatisch beregnen, wobei
die Bewässerungsmenge je nach Bedarf für die Keimphase bzw. für die Etablierungsphase
einstellbar ist. So benötigt die Beregnungsanlage für eine volle Runde etwa 12 Stunden
bei ca. 3-5 L/m² bzw. 30 Stunden bei einer Beregnungsmenge von 15 L/m².
Der Antrieb erfolgt über Elektromotoren (s. Abb.)
![]() Erl äuterungen zur Ansaatmischung und zum Pflegekonzept zur zeitgerechten Fertigstellung einer Fertigrasenfläche durch Freiherr A. Knigge im Vordergrund links ( Fotos: K. Müller-Beck) |
![]() Center-Pivot Beregnungsanlage zur gro ßflächigen Bewässerung von Anzuchtflächen für die Fertigrasenproduktion |
Der Rasenland Betrieb Pattensen produziert vornehmlich zwei unterschiedliche Rasentypen und zwar den Spiel- und Gebrauchsrasen aus der Mischung:
und den „Robusta-Typ“ aus der Mischung:
Für die sachgerechte Entwicklung der Rohrschwingelmischung spielt laut Freiherr Knigge die
Nährstoffversorgung im Spätherbst eine besondere Rolle, so dass die Narbenbildung und
der Winteraspekt optimiert werden.
Mit großer Aufmerksamkeit verfolgten die Seminar-Teilnehmer die Vorführung der vollautomatischen
Erntemaschine, die bereits im Jahre 2001 aus den USA eingeführt wurde. Aus dem neuen Rollenmaß 0,60
m x 1,70 m ergibt sich eine 1m² -Sode, mit einem Gewicht von 20 kg.
Aus der Sicht als Vorsitzender des Rollrasenverbandes sieht A. Knigge die Verwendung des Fertigrasens
nicht mehr als Nischenprodukt sondern als Standard für die fachgerechte Begrünung im kommunalen
und privaten Hausrasenbereich. Waren es 1990 noch etwa 25 Produktionsbetriebe, so rechnet man im
Jahre 2008 mit 90 Betrieben, die für die Versorgung mit Rollrasen in Deutschland sorgen. Die
größten Abnehmer sind dabei die Betriebe das Garten- und Landschaftsbaues.
Bei der Besichtigung der Golfanlage des Burgdorfer Golfclubs e.V. standen insbesondere die Heidebiotope
im Mittelpunkt des Interesses; denn auf den leichten Sandböden des Platzes konnten Teilflächen
im Rough und Semi-Rough-Bereich durch Heidebestände entwickelt werden. Die Verantwortlichen
der Platzpflege, Herr Schwenke und Head-Greenkeeper Voigt erläuterten beim Rundgang die wichtigsten
Maßnahmen der Pflegearbeiten, wobei die Belüftungsmaßnahmen auf den Grüns
besonders intensiv betrieben werden, da es sich um bodennahe Aufbauten handelt.
Für einige Seminarteilnehmer war auch die Verwendung eines grün eingefärbten Topdress-Sandes
zur Ausbesserung der Divots auf den Abschlägen eine neue Erfahrung.
![]() Die Heidelandschaft auf dem Burgdorfer Golfplatz wird sorgfältig gepflegt, damit gerade der Spätsommeraspekt erhalten bleibt. (Fotos: K.Müller-Beck) |
![]() Erläuterungen zur Entwicklung von Ökotypen der Poa annua auf dem Grün und die Möglichkeiten der Nachsaatmit Mischungen oder Reinsaat durch Otto Weilenmann (vorne) |
Den Abschluss der Exkursion bildete die Führung durch die Versuchsreihen zur Gräserprüfung
beim Bundessortenamt am Standort Scharnhorst. Die Mitarbeiter von Herrn Dr. Freudenstein, Frau S.
Gürtler und Herr M. Burkatzky, hatten die notwendigen Vorbereitungen zur Markierung und Ausschilderung
der Versuche sowie zur Präsentation der erforderlichen Geräte getroffen, so dass nach
kurzen Erläuterungen zu den jeweiligen Schwerpunkten der Gräserprüfung die Besichtigung
beginnen konnte.
Passend zum Schwerpunktthema wurden zunächst verschiedene RSM-Mischungen in ihrer Rasenausprägung
vorgestellt.
Eine intensive Diskussion entzündete sich bei der Qualitätsbewertung verschiedener RSM-Handelsmischungen
(Typ 2.3) im Vergleich zu exakt nach Etikettangaben nachgestellten BSA-Mischungen mit den deklarierten
Sorten. Hier wurde für alle Beobachter klar, dass bestimmte Mischungen stark von den deklarierten
Arten- und Sortenangaben abwichen.
Die Deutsche Rasengesellschaft wird sich in Zukunft verstärkt mit der Prüfung von Qualitätsangaben
bei Rasenmischungen befassen, damit zumindest beim Kauf von RSM-Mischungen für den Verbraucher
eine Qualitätssicherheit besteht.
Größere Sortenunterschiede konnten beispielhaft an der Narbendichte oder gerade beim
Wiesenrispen-Sortiment an der Rostanfälligkeit deutlich gemacht werden.
![]() Ansaaten verschiedener RSM-Mischungstypen im Vergleich mit unterschiedlichen Sortenanteilen. (Fotos: K.Müller-Beck) |
![]() Das Wiesenrispensortiment im September mit eindeutigem Rostbefall bei verschiedenen Sorten |
Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Beurteilung von Sorteneigenschaften nicht von einem
Beobachtungstermin abgeleitet werden dürfen. Erst die Auswertung einer kompletten Vegetationsperiode
und die Berücksichtigung der Standorteinflüsse wie Bodenart und Niederschlagsverhältnisse
führen zu einer aussagekräftigen Boniturnote, die sich dann in der Beschreibenden Sortenliste
bzw. in der Broschüre „Regel-Saatgut-Mischungen“ nachlesen lässt.
So lautete das Fazit von S. Gürtler beim Bundessortenamt:
„Die Sortenwahl ist entscheidend für die RSM-Qualität!“
Mit einem Ausblick auf das kommende DRG-Frühjahrsseminar ,voraussichtlich Ende April 2009, wurde die Veranstaltung beendet.
« zurück
Archiv-Meldungen:
Ältere Meldungen finden Sie in unserer Rubrik "Aktuelles".
Archiv öffnen