Autor: Dipl. Agr. Biologe Martin Bocksch, Eltville (www.rasenzeit.de) und Dr. Klaus Müller-Beck, DRG Vorsitzender, Warendorf
Das 103. Rasenseminar der Deutschen Rasengesellschaft (DRG) am 07. u. 08. Mai 2007 führte
in die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, Schwerin und an die Mecklenburgische
Seenplatte. Rund 60 Teilnehmer aus Österreich, der Schweiz, Holland, Belgien, Italien und Deutschland
widmeten sich in Theorie und Praxis zwei Tage lang dem „Einsatz von Sand und Rotschwingel
auf Golf- und anderen Rasenflächen“. Ein abwechslungsreiches Exkursionsprogramm führte
die Teilnehmer durch die Mecklenburgische Schweiz von Schwerin nach Malchow zum Country Club
Land Fleesensee durch das Naturschutzgebiet Nossentiner/Schwinzer Heide mit der Besichtigung von
Trockenrasenflächen, zum Sand- u. Kieswerk Langhagen, über Krakow am See zur Golfanlage
Winstongolf in der Nähe von Schwerin.
Am zweiten Tag ergänzten die Fachreferate die praktischen Eindrücke aus der Region und
in einem lebhaften Diskussionsforum mit den Rasenzüchtern wurden die Perspektiven des Rotschwingels
erörtert.
![]() Teilnehmer der DRG-Fachexkursion bei der Beurteilung des Gräserbestandes aus Rotschwingel und Straußgras (Fsoto: KG. Müller-Beck) |
![]() Die Nutzung der natürlichen Lagerstätten aus der Eiszeit zur Sandgewinnung |
Vom Tagungshotel in Schwerin führte die Fahrt am Morgen des ersten Tages durch die abwechslungsreiche Landschaft Mecklenburgs nach Göhren-Lebbin an den Fleesensee, zum dortigen Golf-Ressort. Course Manager, Herr Bernhard Voss, begrüßte die Teilnehmer und gab zunächst an einer Schautafel einen Überblick über das insgesamt ca. 450 ha große Gelände.

Erläuterungen zur Gestaltung der Anlage Golf & Country Club
Fleesensee durch den Course-Manager B. Voss
Auf 370 ha befinden sich nicht weniger als drei 18-Loch Golfanlagen, zwei 9-Loch Golfplätze und
die größte Drivingrange Nordeuropas, wie er stolz vermerkte. Dazu kommen diverse Hotels
und Infrastruktureinrichtungen. In der Saison wird die Anlage von 21 Mitarbeitern gepflegt. Alle
Golfplätze und die Hotels wurden im Frühjahr 2000 eröffnet. Die Bauzeit betrug eineinhalb
Jahre.
Angeregt wurden die Vor- und Nachteile der verwendeten Mischungen und der aktuellen Pflege unter
Berücksichtigung einer Auslastung von zusammen rund 70.000 Golfrunden / Jahr auf den drei 18-Loch
und den zwei 9-Loch Plätzen diskutiert. Fragen nach der Düngeintensität, Unkraut-
und Moosdruck, der Schnitthöhe wie nach der Notwendigkeit von Pflanzenschutzmaßnahmen
wurden intensiv erörtert.
Das 508 ha große Naturschutzgebiet „Obere Nebelseen“ im Landkreis Müritz umfasst neben dem Quellgebiet der Nebel einen großen Trockenhügel. Hier soll sich nach den Ausführungen von Herrn Ralf Koch, dem stellvertretenden Leiter des Naturparks, ein Magerrasen entwickeln.
![]() Eine kleine Wanderung bei leichtem Regen nach über 6 Wochen auf die Anhöhe des Tockenhügels war angesagt (Foto: M. Bocksch) |
![]() Dr. H. Schulz (li.) erg änzte die Ausführungen von Ralf Koch (re), stellvertretender Leiter des Naturparks |
Das 1996 unter Schutz gestellte Gebiet liegt zwischen dem Malkwitzer See, dem Kraazer See und dem Kramoner Hofsee. Von dem besichtigten Trockenhügel aus hat man einen schönen Panoramablick über alle drei Seen. Wie Herr Koch erläuterte, ist er das Ergebnis des „Pommerschen Vorstoßes“ der Weichseleiszeit. Zu Zeiten der DDR wurden hier 15.000 Rinder gehalten. Auf den Flächen sind heute noch die Einrichtungen für die zentrale Gülleverregnung zu sehen. Nach dieser intensiven landwirtschaftlichen Nutzung, ist es heute das Ziel einen artenreichen Trockenrasen zu etablieren. Das so etwas seine Zeit braucht wurde sehr deutlich. So konnte Herr Koch zahlreiche Hinweise von den vielen anwesenden Rasenexperten mitnehmen, wie das Ziel beschleunigt erreicht werden kann. Seitens der DRG hat Dr. Müller-Beck der Parkverwaltung die Unterstützung zugesagt.
Nach abermals nur kurzer Fahrt war das Sand- und Kieswerk Langhagen der Fa. Heidelberger Sand und
Kies, einer 100 % igen Tochter der HeidelbergCement AG, erreicht.
Begrüßt und begleitet von Vertriebsleiter Herrn Fred Schellin und dem Werkleiter Herrn
Hans-Jürgen Jeschke, machte sich die Gruppe im Bus in das 350 ha große Gelände auf.
![]() Werkleiter Hans-Jürgen Jeschke begrüßte die Teil-nehmer der DRG Fachexkursion im Werk Langhagen (Foto: M. Bocksch) |
![]() Aufbereitung und Sortierung der Sandfraktionen im Werk Langhagen |
Nach einigen Erläuterungen zu der 1960 erschlossenen Lagerstätte, den zwei stationären Sandabbauanlagen und den ca. 80 verschiedenen Produkten, die in Langhagen hergestellt werden, durften die Teilnehmer - entgegen zunächst geäußerten Bedenken - auch aussteigen. 24 Mitarbeiter werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten die noch vorhandenen rund 30 Mio. Tonnen Sand und Kies abbauen. Das erfolgt u.a. mit einem Schwimmbagger, der den Sand aus 15 – 20 m Tiefe absaugt. Stolz ist man besonders auf den großen „Steinreichtum“ des Vorkommens. Neben feinsten (0-0,5mm; 0-1mm) und gröberen Sanden, werden in Langhagen auch Kies und Findlinge von 1 m Größe gewonnen. Einige dieser Produkte werden noch auf dem Gelände von einem Betonwerk, einem Hersteller von Abwassertechnik und einem Asphaltmischwerk weiter verarbeitet. Die Langhagener Sande haben einen Quarzanteil von 80 – 85 %.
Letztes Ziel der Exkursion war die WINSTON Golfanlage vor den Toren der Landeshauptstadt Schwerin. Die 18- plus 9-Loch Anlage wurde im Juni 2002 nach einjähriger Bauzeit eröffnet. Auf 116 ha gibt es einen schön in die hügelige Endmoränenlandschaft eingebetteten Meisterschaftsplatz und einen Platz für jedermann.
Head-Greenkeeper, Udo Rohbeck, begrüßte die Exkursionsteilnehmer mit seinem amerikanischen Assistenten. Er ist seit Baubeginn auf der Anlage und berichtete, dass die Anlage in bis zu 90 m mächtige Sandschichten gebaut wurde. Aus diesem Sand entstand die Anlage, nach US - amerikanischem Muster - ohne zusätzliche Drainage. Problematisch sind, östlich des Schweriner Sees, die geringen Niederschläge von durchschnittlich rund 200 l /qm im Jahr. Für die Bewässerung darf die Golfanlage dem eigenen 108 m tiefen Brunnen jährlich 54.000 m³ Wasser entnehmen.
![]() Course-Manager Udo Rohbeck empfängt die Gruppe der DRG-Fachexkursion auf der Golfanlage Winstongolf |
![]() Blick vom 16. Abschlag auf der Golfanlage Winstongolf |
Nach anfänglicher Reinsaat von Agrostis stolonifera „PENN A-4“, sät Herr U. Rohbeck seit drei Jahren die Grüns mit Rotschwingel nach. Das trägt nach seinen Erfahrungen zur ganzjährigen guten Bespielbarkeit der Grüns bei. Insbesondere der Winteraspekt gewinnt sehr durch den Rotschwingel.
Der Referateteil am zweiten Tag des 103. Rasenseminars begann mit einem interessanten Vortrag von Dr. Wilfried Bergmann, vom Ingenieurbüro „Dr. Bergmann & Ing. Liedloff“, Neubrandenburg, über die „Geologische Entwicklung des Naturraumes Mecklenburg-Vorpommern“. Dabei spielen die drei großen Eiszeiten, benannt nach den daraus entstandenen Flüssen, Elster-, Saale- und Weichsel, die entscheidende Rolle.
Burkhardt Gehrke, Laborleiter bei „Heidelberger Sand und Kies“, ordnete das
zuvor gehörte nochmals zeitgeschichtlich ein. Anschließend ging er näher auf die
von den Gletschern mitgeführten Gesteine ein. Zum besseren Verständnis erläuterte
er dazu die verschiedenen Verwitterungs- und Verlagerungsformen. Er verglich sie mit der Verlagerung
durch den Gletscher und ordnete sie bezüglich ihrer Auswirkungen auf den heute gefundenen Sand.
Da die Sandlager nicht homogen aufgebaut sind, müssen die Sande für die Verarbeitung getrennt
werden. Das machen so genannte „Sandklassierer“. Deren Funktion erläuterte er den
Zuhörern genau. In Langhagen gefundene Sande sind kantengerundet bis rund.
Dr. Heinz Schulz, RFH, ging bei seinem Vortrag zum „Rotschwingel“ und seiner Verwendung im Rasen zunächst nochmals auf die neue Systematik der Rotschwingelgräser ein. Dabei versuchte er die aktuelle Einteilung anhand verschiedener Bestimmungsmerkmale nach zu zeichnen – was nicht immer leicht ist, denn die Abgrenzung ist oft schwammig.
Heute stehen nicht weniger als 140 Sorten der drei Unterarten zur Verfügung und es sei daran erinnert, die ersten beiden in Deutschland eingetragenen Rasensorten waren zwei Rotschwingel. Auch wenn es sich bei Rotschwingel um eine so bekannte und viel genutzte Grasart handelt, kommt Dr. Schulz zu dem Fazit, dass zu dieser Art mit seinen Unterarten noch einiger Forschungsbedarf besteht.
Die beiden Themenschwerpunkte des 103. Rasenseminars brachte schließlich Bernhard Voss,
Course Manager des Golf & Country Club Fleesensee, zusammen.
Er erläuterte nochmals, anhand anschaulicher Charts, seine Pflege. Stark beeinflusst wird diese
noch heute von dem schottisch/britischen Architektenduo.
Stan Eby und Ross McMurry hatten wohl einen der typischen „Link-Courses“ vor Augen,
als sie für alle Plätze stark Rotschwingel dominierte Ansaatmischungen auswählten.
Die Pflege wird zudem vom Start der Golfsaison beeinflusst - in Fleesensee weniger von der Natur
als vom Christlichen Feiertagskalender, wie Herr Voss berichtete. Denn an Ostern ist mit der ersten
großen Besucherwelle aus Skandinavien und Deutschland zu rechnen. Dann muss sich die Anlage
entsprechend präsentieren.
Den Abschluss des kurzweiligen Seminarteils bildete ein Quartett der vier großen europäischen
Züchterhäuser. Dr. Thomas Eckardt für die Saatzucht Steinach, Michael Schlüter
und Michael Hamann für DSV / Euro Grass, Gerard Van`t Klooster für Barenbrug und Holger
Lürmann für DLF-Trifolium, diskutierten, moderiert von Dr. Klaus Müller-Beck, über
die Perspektiven des Rotschwingels und die Auswirkungen auf die Züchtung.
Zunächst ordneten Dr. Eckardt die Bedeutung des Rotschwingels im Saatenhandel und Herr Hamann
die grundlegenden Zuchtziele der Rotschwingelzüchtung anhand weniger Zahlen und Charts ein.
Von allen bestätigt wird es eine Zweiteilung der Zuchtziele für Profi- und Verbraucheransprüche
geben.
Anhand der Produktionszahlen wird deutlich, dass Dänemark der Hauptproduzent von Rotschwingel
ist. Herr Lürmann führte das auf den produktionstechnischen Standortvorteil (hohe Niederschläge)
und günstige, wirtschaftliche Produktionsbedingungen zurück. Auch erläuterte er,
dass in Skandinavien aufgrund wesentlich restriktiverer Umweltrichtlinien der Rotschwingel auf Golfanlagen
eine größere Bedeutung hat als in Mitteleuropa.
Angeregt von Dr. Müller-Beck, wurden weitere Fragen nach dem „Low maintenance concept“ und
zur möglichen Reinsaat von Rotschwingel diskutiert.
Mit einem Ausblick auf die Rotschwingelernte 2007, die während des Rasenseminars einsetzende
Wetterwende nach dem extrem trockenen April, dürfte die Ernte mehr oder weniger gesichert haben, endete
diese erstmals im Rahmen des Rasenseminars durchgeführte Podiumsdiskussion.
Mit einem Hinweis auf die Grenzen des technisch machbaren bei der Nutzung der Gräserleistung
beendete Dr. Müller-Beck das 103. Rasenseminar mit dem Fazit:
„Wir brauchen die grünen Blätter der Gräser; denn nur so kann die
Sonnenenergie genutzt werden!“
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